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„Als Forscher muss man auch ein Abenteurer sein“

Urlaub unter Palmen kannte Klement Tockner in seiner Kindheit nicht. Vielmehr beneidete er die Kinder, die nicht arbeiten mussten.
Urlaub unter Palmen kannte Klement Tockner in seiner Kindheit nicht. Vielmehr beneidete er die Kinder, die nicht arbeiten mussten.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Klement Tockners Weg führte ihn vom Bergbauernhof an die Spitze des Wissenschaftsfonds FWF. Gemeistert hat er ihn mit einer Mischung aus Durchhaltevermögen, Optimismus und Glück. Man müsse die Chancen, die sich bieten, auch sehen und ergreifen, sagt er. Jungen Forschern heute rät er, in die Welt zu gehen.

Als Klement Tockner knapp zwei Jahre alt war, wurde der auf 1100 Meter Seehöhe gelegene Hof im steirischen Schöder, Bezirk Murau, mit elektrischem Strom versorgt. Ziemlich zeitgleich wurde eine Straße gebaut. Das sind die frühesten Erinnerungen, die der heute 55-jährige Präsident des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF an seine Kindheit hat. „Der Hof lag wunderschön, aber es war sehr steil“, erzählt er. Der Schulweg dauerte eine halbe Stunde – zu Fuß, denn Bus gab es keinen. „Im Winter war das schön, da konnte man mit dem Schlitten hinunterfahren.“

Tockner, das siebente von neun Kindern von Bergbauern, die den 300 Jahre alten Hof in Leibrente übernahmen, will seine prägenden ersten Lebensjahre aber keinesfalls verklären. Er berichtet von Kühen, deren Milch im Sommer jeden Tag von der Alm heruntergetragen werden musste. Vom Noriker, der Arbeiten übernahm, die für den Menschen zu schwer waren. „Es war auch eine harte Zeit. Als Kind freute man sich, wenn es regnete und man nicht mithelfen musste.“ Er habe die Mitschüler im Dorf stets um ihre Ferien beneidet, sagt Tockner.

Alles passierte ungeplant. Die Bescheidenheit, die er sich damals angeeignet hat, ist ihm geblieben, auch wenn er heute einen dunklen Anzug trägt. Man könne bescheiden sein und dennoch sehr anspruchsvoll, sagt er: „Ich will keine halben Sachen, ich will, dass etwas richtig gut ist.“ Der von ihm seit rund eineinhalb Jahren geführte Wissenschaftsfonds ist die wichtigste Fördereinrichtung für Grundlagenforschung des Landes. Zuvor leitete er neun Jahre als Direktor das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin, 2007 wurde er Professor für Aquatische Ökologie an der Freien Universität Berlin, 2005 Titularprofessor an der ETH Zürich. Für seine international angesehene Forschung arbeitete er unter anderem in den USA und in Japan. Wie hat er all das geschafft?