Otto Hans Ressler: Wo Rudolf Leopold Gottvater ähnelt

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Auktionator Otto Hans Ressler hat einen kurzen Roman über eine wahre Geschichte geschrieben: "Das Mädchen mit dem Hut" erinnert an den Verkauf von Schieles "Mädchen" 1998.

Es ist eine erfundene Geschichte und dennoch ist sie wahr: Zwölf Jahre nach der spektakulären Versteigerung von Schieles restituiertem „Mädchen“ im Wiener Auktionshaus „im Kinsky“ schrieb Auktionator Otto Hans Ressler die Geschichte dahinter auf. Mit geänderten Namen, geänderten Biografien und einem Bild im Mittelpunkt, das nicht existiert.

„Das Mädchen mit dem Hut“ hat Schiele nie gemalt, die bitterarme „Julia Mrkwicka“, die später von einem Militärwagen unabsichtlich zu Tode geschliffen wurde, ist ihm auch nie Modell gesessen. Geschildert wird dennoch mit bester historischer und insiderischer Kenntnis ein heimischer Kunstmarktparadefall – von der Entstehungsgeschichte über die Enteignung des Bildes bis zur Restitution, zur Versteigerung und der ambivalenten österreichischen Befindlichkeit rund um derlei Fälle.

Stilistisch allerdings ist das Buch durchwachsen, die Sprache schwankt zwischen allzu chronikal und allzu blumig, die Metaphern sind gewöhnungsbedürftig – etwa wenn die Autorität eines Sammlers so weit reicht, dass sich sogar das Meer vor ihm teilen würde. Außerdem ist ideologisch schnell klar, dass hier aus Sicht eines Auktionators geschrieben wird. Alles kulminiert jedoch im wirklich fabelhaft geschilderten Herzstück des Buches, der Versteigerung im nur wenig verschlüsselten „Auktionshaus im Palais Hildebrandt“ – Hildebrandt war der Architekt des Palais Kinsky: Hier rittern „Professor Dr. Hans Weinprecht“, trotz des Vergleichs mit „Gottvater“ (schlohweißer Vollbart!) unschwer als Rudolf Leopold zu erkennen, und Thomas Worthington (Ronald Lauder) um das Schiele-Bild. Es gewinnt Weinprecht. Er zahlt im Buch allerdings gleich um über das Dreifache mehr, als er wirklich musste: 10,7 Mio. Euro. Da ist die Fantasie mit Ressler dann doch noch durchgegangen.

„Das Mädchen mit dem Hut“, von Otto Hans Ressler geschrieben und von Ursula Wimmesberger illustriert. Böhlau Verlag, 133 S.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2010)

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