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Klassik

Osterfestspiele: Scarpia stirbt auf der Engelsburg

Zu viele Regiegags, zu wenig Dämonie, eine moderne Frau mit einem Commissario Brunetti: Anja Harteros (Tosca), Ludovic Tézier (Scarpia) in Salzburg.
Zu viele Regiegags, zu wenig Dämonie, eine moderne Frau mit einem Commissario Brunetti: Anja Harteros (Tosca), Ludovic Tézier (Scarpia) in Salzburg.(c) APA/BARBARA GINDL
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Kritik Michael Sturminger verdirbt Puccinis "Tosca" mit drastischen Einfällen. Unter Christian Thielemann ist eine eher passable als packende Besetzung zu hören.

Blödsinn!“, rief ein Herr mehrmals. Er vertrat damit die empörte Minderheit beim Applaus für das Regieteam. Denn als sich dieses verbeugte, wurde der Beifall im Großen Festspielhaus zwar leiser, schien aber so etwas wie höfliche Ratlosigkeit auszudrücken – und der offene Widerspruch blieb gering. Das schien selbst Michael Sturminger zu überraschen, der sich für diese „Tosca“ mit Bestemm eine ganze Menge Neues hat einfallen lassen.

Otto Schenk habe ihm gesagt, für dieses Stück brauche man eine Besetzung, aber keinen Regisseur, erzählte Sturminger jüngst im „SN“-Interview verschmitzt. In seiner Inszenierung wollte er offenbar trotzdem und mit viel Aufwand nachweisen, dass das Publikum bei diesem Hochpreisfestival auch reichlich Regie für sein Geld geboten bekommt. Das Altbekannte auf ungewöhnliche Weise zu erzählen schien Sturminger nicht genug, es mussten Überraschungen her. Zum Beispiel gleich zu Beginn eine Schießerei zwischen Carabinieri und Rebellen in einer Tiefgarage der Kirche Sant'Andrea della Valle, bei der Angelotti (Andrea Mastroni) entkommt: Renate Martin und Andreas Donhauser zitieren mit dem Bühnenbild die historischen Schauplätze genauer herbei als so manche traditionelle Inszenierung, verfahren aber frei mit Bildmaterial wie Assoziationen und holen die Story auch mit den Kostümen in die Gegenwart.