Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Datenskandal

"Sorry" reicht wohl nicht: Der Druck auf Facebook wächst

Mark Zuckerberg versucht, via Zeitungsinserate und Facebook-Posting nun, seine User bei Laune zu halten.
Mark Zuckerberg versucht, via Zeitungsinserate und Facebook-Posting nun, seine User bei Laune zu halten.(c) REUTERS (Stephen Lam)
  • Drucken

Mark Zuckerberg kriecht vor seinen Usern zu Kreuze, die Behörden beeindruckt das wenig: Die EU kündigt eine harte Gangart an.

Menlo Park/Brüssel/Wien. Mark Zuckerberg steht unter Druck wie selten in seiner erfolgreichen Laufbahn. Mit ganzseitigen Inseraten in britischen Zeitungen versuchte der Facebook-Chef, seine User bei Laune zu halten: Er bat um Entschuldigung, wiederholte das Eingeständnis, es habe einen Vertrauensbruch gegeben. „Wir haben die Verantwortung, Daten zu schützen“, schrieb der 33-Jährige. Er bedauere, dass Facebook nicht mehr dafür getan habe.

Die Anzeige erschien auch im „Observer“, dessen Berichte über den Skandal zu massiven Kursverlusten der Facebook-Aktie geführt hatten. Seit Bekanntwerden des Skandals hat der Konzern mehr als 50 Mrd. Dollar (40,50 Mrd. Euro) Börsenwert verloren. Zuckerberg hatte sich bereits zuvor in US-Fernsehinterviews entschuldigt.

Diese Art Flucht nach vorn kommt in einer der größten Krisen des sozialen Netzwerks: Der Druck auf den Datenkonzern wächst, seit die Affäre vor einer Woche publik wurde. Die britische Analysefirma Cambridge Analytica soll Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern illegal für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und eingesetzt haben. In Großbritannien gibt es dem „Guardian“ zufolge Hinweise, dass Cambridge Analytica enge Verbindungen zur Datenanalysefirma Aggregate IQ hatte, die beim Referendum über den EU-Austritt eine wichtige Rolle spielte.

Unternehmen wie die Commerzbank stornierten Werbe-Anzeigen auf Facebook, Konzerne wie Elektroauto-Bauer Tesla legten ihre Facebook-Seiten still. Im Internet kursieren Boykottaufrufe, auf Twitter etwa unter dem Hashtag „#deletefacebook“. Dieser wurde auch von WhatsApp-Mitgründer Brian Acton aufgegriffen, der seine App einst für rund 22 Mrd. Dollar an Facebook verkauft hatte und bis vor Kurzem dort beschäftigt war.

Viele User erwägen Ausstieg

Diese Aufrufe zeigen offenbar Wirkung: Einer Umfrage des Instituts Emnid zufolge denkt nun fast die Hälfte der deutschen Nutzer sozialer Netzwerke über eine Abmeldung von diesen nach.

Zuckerberg geht nun in die Offensive. In den Anzeigen appelliert er an die Nutzer: „Vielen Dank, dass Sie an diese Gemeinschaft glauben. Ich verspreche Ihnen Besserung.“ Die europäischen Behörden lassen sich davon offenbar wenig beeindrucken: EU-Justizkommissarin Věra Jourová kündigt eine harte Gangart an: „Dieser Missbrauch von Daten ist völlig inakzeptabel“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Heute, Montag, empfängt die deutsche Justizministerin, Katarina Barley (SPD), in Berlin Vertreter von Facebook. In London waren zuvor die Büros von Cambridge Analytica von Mitarbeitern der britischen Datenschutzbehörde durchsucht worden.

Justizkommissarin Jourová forderte auch Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg zur Stellungnahme auf. „Ich verlange Klarstellungen, etwa inwieweit europäische Nutzer betroffen sind.“

Die US-Regierung und die zuständigen Behörden hätten ihr zwar versichert, man nehme die Vorwürfe ernst, zugleich müsse es aber eine „europäische Antwort“ geben. „Dieser Skandal sollte ein Weckruf für uns alle sein“, so Jourová, die auch auf die verschärften europäischen Datenschutzregeln verwies, die im Mai in Kraft treten: „Bei Strafen von bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes wird sich auch Facebook sehr genau überlegen, wie Missbrauch künftig verhindert werden kann.“

Dennoch sieht sie die Gefahr, dass Internetkonzerne inzwischen zu viel Macht haben. Und da müssten auch die Nutzer mehr darüber nachdenken, was mit ihren Daten passiere – und sorgsamer mit diesen umgehen. (APA/Reuters/cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2018)