Erste Spiele, erstes Antreten, erste Medaille - Gregor Schlierenzauer ist mit seiner Leistung zufrieden. Seine Teamkollegen wollen auf der großen Schanze zurückzuschlagen.
Erst mit rund 1:45 Stunden Verspätung ist Bronzemedaillengewinner Gregor Schlierenzauer am Samstag zur Pressekonferenz erschienen, nicht zuletzt auch wegen einer noch zu absolvierenden Dopingkontrolle. Das änderte allerdings nichts an der Freude, die der 20-jährige Tiroler über das Edelmetall immer noch ausstrahlte.
"Eine geile Sache. Es war nicht einfach, das gebe ich zu. Bei den ersten Spielen ist doch irgendwo eine Nervosität da, und ein bisserl ein Druck, speziell, wenn man immer als Favorit gehandelt wird. Ich war im ersten Durchgang nervös und habe halt einen kleinen Fehler eingebaut, dann ist man gleich mal Siebenter auf der kleinen Schanze", meinte Schlierenzauer. Der zweite Sprung sei dann wieder sehr gut gewesen. "Ich bin überglücklich, dass ich Bronze gewonnen habe. Ich habe sicher nichts verloren. Was will man mehr? Erste Spiele, erstes Antreten, erste Einzelmedaille!"
Auch die Tatsache, dass ihm nur eineinhalb Punkte auf den Polen Adam Malysz fehlen, störte ihn da nicht. "Nein, weil für mich war es eine gewonnene Bronzemedaille. Das Ziel war, nach dem ersten Durchgang nochmals einen tollen Sprung zu machen und vielleicht noch aufs Podium zu kommen. Das ist mir gelungen, für mehr war der erste (Sprung, Anm.) zu "schlecht" und die anderen zu gut. Man muss das neidlos anerkennen, dass die auch auf einem sehr hohen Niveau springen", sagte Schlierenzauer, fügte aber gleich hinzu: "aber sie sind sicherlich nicht unschlagbar."
Auf der Großschanze ist für den 32-fachen Weltcupsieger sicherlich sogar noch mehr möglich. "Ich denke, jetzt fallt etwas Druck ab. Ich weiß jetzt, wie die ganze Sache hier läuft. Ich kann das wirklich genießen hier, alles aufsaugen, versuche auf der Großen meine Sprünge zu zeigen, so wie im zweiten Durchgang."
Dem nunmehr dreifachen Olympiasieger Simon Ammann zollte er Lob. "Er ist sehr stark, hat sich top vorbereitet, hat alles ausgepackt. Er hat Vorteile, speziell vom Gewicht und Körpergröße, auch der Adam. Er kann sich dadurch mehr Fehler erlauben, wenn man das so betrachtet, bin ich sehr happy, weil ich doch einer der Größten bin im Weltcupzirkus und um einiges mehr Kilo habe als die anderen zwei. Jetzt freue ich mich, was noch kommt. Ich werde natürlich voll angreifen."
Was ihm nach dem Schritt auf das Podium zur Blumenzeremonie, - die Medaille erhielt er erst bei der abendlichen Zeremonie -, durch den Kopf ging? "Da kommen viele harte Trainingseinheiten. Wie man fightet, wie man kämpft, was man alles besorgen muss, wie wenig Zeit man hat, wie viel man investieren muss - das kommt alles auf. Es ist dann eine Befreiung und eine brutale Genugtuung. Natürlich denkt man auch an die Betreuer und die Familie, das hat mich sehr glücklich gemacht."
Grundsätzlich könne man gerade auf der kleinen Schanze sehr schnell auch leer ausgehen. "Das hat man auch beim Morgi gesehen. Man kann nicht immer gleich alles abzustauben. Es ist toll, wenn man als 20-Jähriger gleich beim ersten Antreten was holen kann."
Die ÖSV-Kollegen freuten sich mit dem Weltcup-Gesamtsieger der Vorsaison. "Das ist super für ihn, ich vergönne es ihm voll, er hat einen tollen Job gemacht. Das ist ein tolles Gefühl, wenn man bei den ersten Winterspielen eine Medaille macht", sagte Andreas Kofler, der Olympia-Zweite von Turin. Loitzl war froh, dass Schlierenzauer "unsere Ehre gerettet hat. Aber es ist nicht das, was wir uns alle erwartet haben. Man muss auch damit zufrieden sein, wir werden versuchen, auf der großen Schanze zurückzuschlagen. Auch Morgenstern, der sich nach seinen Trainingsleistungen sicher mehr erwartet hatte, hatte gute Worte für den Bronze-Mann: "Respekt vor Schlieri! Eine Olympiamedaille hat großen Wert, sie wird ihn pushen für die Großschanze und uns auch."
(APA)