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Bologna: Bachelor noch immer nicht akzeptiert

Bei der Umstellung auf Bachelor und Master habe eine nationale Strategie gefehlt, sagt Vizerektor Polaschek: „Die Vorgabe war nur: Schnell umstellen und kostenneutral.“
Bei der Umstellung auf Bachelor und Master habe eine nationale Strategie gefehlt, sagt Vizerektor Polaschek: „Die Vorgabe war nur: Schnell umstellen und kostenneutral.“(c) Clemens Fabry
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Vor 20 Jahren erfolgte der Startschuss für Bachelor und Master. Die Studenten sind jetzt mobiler. Manche Fächer sind (und bleiben wohl) Diplomstudien. Und beim Bachelor hakt es noch.

Wien. Dass die größte Hochschulreform der vergangenen Jahre schon wieder 20 Jahre her ist, kann Rektorenchefin Eva Blimlinger selbst kaum glauben. In der Tat jährt sich im Mai die Sorbonne-Erklärung – jene Deklaration, die den europäischen Hochschulraum und den Bolognaprozess angestoßen hat, Stichwort Bachelor und Master. Die Bilanz der Unis fällt gemischt aus. Von der (noch unvollendeten) Umstellung bis zu den Schwierigkeiten mit den (nicht mehr ganz so) neuen Abschlüssen.

Die Umstellung

Sinologie an der Universität Wien und Biologie an der Uni Salzburg: Das waren österreichweit die ersten beiden Bachelorstudien, die da im Herbst 2000 eingeführt wurden. Inzwischen laufen 85 Prozent der Studien im dreigliedrigen System mit Bachelor, Master und PhD. Zuletzt umgestellt wurden Pharmazie und die Lehramtsstudien, wobei bei Letzteren noch offen ist, wie der berufsbegleitende Master funktionieren soll. Diplomstudien sind nach wie vor Theologie (wegen bestimmter Vorgaben aus dem Vatikan), Jus (das sogar im Regierungsprogramm von einer Umstellung ausgenommen wird), Medizin und einige künstlerische Fächer. Letztere werden auch nicht umgestellt, sagt Rektorenchefin Blimlinger.

Der Bachelor

Nicht sehr glücklich gelaufen sei die Sache mit den akademischen Graden, sagt Vizerektor Martin Polaschek, der in der Universitätenkonferenz für Lehre zuständig ist. Zuerst waren da Bakkalaureus und Bakkalaurea, die rasch durch den englischen Bachelor ersetzt wurden. Der werde immer noch nicht wirklich als vollwertige akademische Ausbildung akzeptiert, sagt Blimlinger. „Das ist schon ein bisschen ärgerlich.“ Der Bachelor sei in der heimischen Beschäftigungslandschaft weitgehend nicht angekommen. Bei der Bezahlung sei es mitunter so, als hätte man gar keinen Abschluss. Und auch im Bundesdienst gebe es noch keine volle Gleichbehandlung des Bachelors. „Jetzt kann man sagen, ist das nur ein Marketingproblem?“, fragt Polaschek. Denn auch die Tatsache, dass man die neuen Titel nicht vor den Namen stellen kann, ist ungewohnt. Es brauche jedenfalls einen Kulturwandel. „Das betrifft ja nicht nur den Bachelor, sondern auch den Master – beide werden nicht wahrgenommen.“ Und da sei auch die Wirtschaft gefordert – die auf den Bachelor gedrängt habe.

Die Inhalte

Zwar habe die Umstellung der alten Diplomstudien auf das neue Modell inhaltlich ganz gut funktioniert. Ein Problem sei aber eine gewisse Konzeptlosigkeit am Anfang gewesen: „Es hat keine nationale Strategie gegeben, was Bologna eigentlich soll“, sagt Polaschek. Das sei auch an einigen der Versäumnissen schuld, die den Studien angelastet würden. „Die Vorgabe war nur: Schnell umstellen und kostenneutral.“ Einziger Rahmen: Es sollte ein dreijähriges Bachelorstudium geben, das zum Einstieg in das Berufsleben befähigt, und einen zweijährigen Master. Dazu, ob das zwei ergänzende Teile sein sollen oder ob der Master eine Vertiefung sein soll, habe es keine Überlegungen gegeben. Dass der Bachelor inhaltlich breit aufgestellt ist und der Master die Spezialisierung – so, wie das auch im englischsprachigen Raum der Fall ist – wäre „das Logische“, sagt Blimlinger. Falls man das neu überlegen und gestalten wolle, dann aber frühestens in fünf bis zehn Jahren.

Die Mobilität

Die Mobilität der Studierenden ist mit dem Bolognaprozess – der ja mit den einheitlichen Abschlüssen und den ECTS-Punkten für Lehrveranstaltungen Vergleichbarkeit im gemeinsamen europäischen Hochschulraum bringen sollte – deutlich gestiegen. Immer häufiger würden Studenten nicht nur ein Semester im Ausland absolvieren – meist nicht im Bachelor, sondern erst im Master –, sondern etwa den gesamten Master, sagt Polaschek. Die Unis fordern eine großzügige Anerkennungspraxis und sie wünschen sich auch kürzere geförderte Auslandsaufenthalte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2018)