Frankreich ehrt von Islamisten ermordeten Gendarmen

Präsident Macron beim Sarg Beltrames
Präsident Macron beim Sarg BeltramesAPA/AFP/PHILIPPE LOPEZ

Oberstleutnant Arnaud Beltrame hatte sich vorige Woche bei einer Geiselnahme in einem Supermarkt gegen eine Geisel austauschen lassen und wurde kurz darauf vom Täter, einem Islamisten, angeschossen und niedergestochen. Er wurde so zum Nationalhelden im Kampf gegen den islamistischen Terror.

Mit einer seltenen nationalen Gedenkfeier hat Frankreich den vorige Woche bei einem islamistischen Terroranschlag getöteten Polizisten Arnaud Beltrame geehrt. "Die Erinnerung an ihn wird lebendig bleiben, sein Beispiel wird bleiben", sagte Staatspräsident Emmanuel Macron am Mittwoch im Ehrenhof neben dem Pariser Invalidendom. Er ernannte Beltrame posthum zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion.

Der Sarg des zum Zeitpunkt seines Todes 44-Jährigen, der aus Étampes im Großraum Paris stammte und zuletzt im Rang eines Oberstleutnants Vizechef der Gendarmerie im südwestfranzösischen Département Aude war, war von einer Motorradeskorte von der Ruhmeshalle Panthéon zum Ort der Zeremonie gebracht worden.

Motorradeskorte für Beltrames Sarg beim Verlassen des Pantheons
Motorradeskorte für Beltrames Sarg beim Verlassen des PantheonsAPA/AFP/POOL/ETIENNE LAURENT
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In Präfekturen, Gendarmeriestützpunkten und Polizeikommissariaten hielten Beamte am Mittwochvormittag still bei einer Schweigeminute inne.

Beltrame hatte sich am vergangenen Freitag während der Geiselnahme eines amtsbekannten, sich zum IS bekennenden Islamisten in einem Supermarkt in Trébes in der Nähe von Carcassonne als Austauschgeisel zur Verfügung gestellt. Der Geiselnehmer, ein 26-jähriger mit marokkanischem Hintergrund, hatte zuvor im Supermarkt zwei Menschen sowie auf der Straße einen Autofahrer erschossen und mehrere Menschen durch Schüsse verletzt.

Täter ausgeschaltet

Als Beltrame sich gegen eine Geisel austauschen ließ, legte er sein für Kommunikation geöffnetes Handy irgendwo im Laden ab, sodass die Polizisten draußen die Vorgänge in dem Geschäft der Kette "Super U" mithören konnten. Kurz darauf hörten sie Schüsse, denn der Islamist hatte Beltrame niedergeschossen, worauf eine Spezialtruppe angriff und den Täter erschoss.

Oberstleutnant Beltrame wurde mit lebensgefährlichen Stich- und Schussverletzungen, aber bei Bewusstsein, aufgefunden; im Spital wurde indes schnell klar, dass er das nicht überleben würde, worauf sich bewegende Szenen ergaben, als Beltrame und seine herbeigeeilte Ehefrau, die Tierärztin Marielle Vandenbunder, jenen Pater herbeiriefen ließen, der das kinderlose Paar im Juni eigentlich hätte kirchlich vermählen sollen. Der Geistliche erteilte am Sterbebett den kirchlichen Segen; noch am Nachmittag dieses Tages verschied Beltrame.

Arnaud Beltrame 2013 während seines Dienstes in der Normandie
Arnaud Beltrame 2013 während seines Dienstes in der NormandieAPA/AFP/LA GAZETTE DE LA MANCHE/- (-)

Beltrame hatte 1999 die Militärakademie Lycée militaire de Saint-Cyr als Jahrgangsbester absolviert und wurde von Kollegen und Vorgesetzten als "zäher Hund" beschrieben, der nie aufgebe. Zeitweise befehligte Beltrame eine Einheit der gepanzerten mobilen Gendarmerie und wurde 2003 in die GSIGN (Groupement de sécurité et d'intervention de la Gendarmerie nationale) übernommen, eine Sondertruppe mit dem Schwerpunkt Geiselbefreiung und Terrorismusbekämpfung, und kam nach deren Auflösung 2007 in eine ähnlich benannte Truppe.

Eine Übung wie ein Omen

Beltrame diente im Irak, leitete vier Jahre eine Gendarmieeinheit in der Normandie und hatte, so schreibt die Zeitung "La Dépêche du Midi" erst vorigen Dezember in Carcassonne eine Anti-Terrorübung organisiert. Grundannahme: Angriff auf einen Supermarkt und Geiselnahme dort.

Frankreich müsse unterdessen nach den Worten von Präsident Macron gegen "eine neue Form des Islamismus" kämpfen. Damit meinte er nicht islamistischen Terror im Ausland, etwa in Nordafrika und Nahost, sowie von dort "importierten" Terror, sondern vor allem "diesen unterirdischen Islamismus, der sich über die sozialen Netzwerke ausbreitet", und auch in Frankreich selbst "ausgebrüteten" Terror. Angesichts dessen müssten alle Bürger wieder wachsamer sein, forderte der Staatschef. Frankreich werde die Bewährungsprobe bestehen: "Unser Volk hat viele andere bestanden."

Angetreten zu Ehren Bertrames vor dem Hauptquartier der Gendarmerie nationale in Issy-les-Moulineaux nahe Paris
Angetreten zu Ehren Bertrames vor dem Hauptquartier der Gendarmerie nationale in Issy-les-Moulineaux nahe ParisReuters

Papst Franziskus hatte erst am 26. März „die großzügige und heldenhafte Geste des Oberstleutnant Arnaud Beltrame, der sein Leben gab, während er versuchte, die Menschen zu beschützen", gewürdigt.

Peinlicher Spott von links

Ein linksgerichteter französischer Politiker war unterdessen am Wochenende wegen eines äußerst geschmacklosen Tweets zum Tod Beltrames festgenommen worden. Stephane Poussier, erfolgloser Kandidat der radikal linken und ökologischen Partei "Das unbeugsame Frankreich" in der Normandie bei der Parlamentswahl 2016, hatte den Tod Beltrames praktisch gutgeheißen - weil ein Freund Poussiers anno 2014 bei Auseinandersetzungen zwischen Grün-Aktivisten und der Polizei wegen eines Staudammprojekts in Südfrankreich von einer Tränengasgranate unglücklich getroffen und getötet worden war. Dass es jetzt einen hohen Polizeioffizier erwischt habe, sei "großartig", so Poussier. Zudem bedeute das "einen Wähler für Macron weniger."

Die Staatsanwaltschaft in der Normandie sagte, Poussier sei wegen "Rechtfertigung von Terrorakten" in Gewahrsam genommen worden. Dem Linkslinken drohen nun bis zu sieben Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 100.000 Euro.

(apa/dpa)