Sag, wie machen das die Kärntner?

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Lehrlinge II. Ganz Österreich stöhnt unter schwachen Nachwuchszahlen in Gastronomie und Hotellerie. Ganz Österreich? Nein: Kärnten jubelt.

Über 6,25 Prozent mehr Tourismuslehrlinge kann man sich schon freuen. Über 22,3 Prozent mehr Anfänger im 1. Lehrjahr noch mehr. Mit diesen Zuwachsraten schwimmen die Kärntner gegen den Österreichstrom. Unter den beliebtesten Lehrberufen Kärntens finden sich gleich zwei touristische: Koch/Köchin und Restaurantfachmann/frau. In der aktuellen öbif-Studie (siehe Artikel "Wo die Lehrlinge am zufriedensten sind") sind gerade sie unter den österreichweit am meisten kritisierten Ausbildungen.

Wie machen das die Kärntner? Stefan Sternad, WK-Fachgruppenobmann Gastronomie und Wolfgang Kuttnig, WK-Fachgruppengeschäftsführer Hotellerie Kärnten, beschreiben ihr Konzept:

Sie jammern nicht. Sie reiten auch nicht auf den bekannten Nachteilen herum (Arbeitszeiten, Wochenendarbeit etc.). Lieber betonen sie die guten Seiten. Sternad: „Kein Märchenschloss, aber es macht Spaß. Eine Kampagne verpasste den Berufen ein junges, hippes Image, mit dem sich Jugendliche gern identifizieren. Man zeigte nicht „das junge Mädel in karierter Kochhose, zu großer Mütze, Bratpfanne und Schneebesen in der Hand“ (Kuttnig), sondern den volltätowierten, lässigen Koch in seinem Element.

► „Einflüsterer“. Im der ersten Welle sprach man nicht die Jungen an, sondern deren „Einfüsterer“, Eltern, Lehrer und Öffentlichkeit. „Ich habe selbst Koch gelernt“, sagt Kuttnig, „mir hat das gefallen. Bloß die anderen haben mich stigmatisiert.“ Dem wirkt er entgegen.

Zukunftssicher. Natürlich verändert die Digitalisierung auch den Tourismus. Die Arbeitsplätze aber – als Dienstleistung am Menschen – sind sicher. Das Argument zieht vor allem bei den Eltern.

Der Marcel-Hirscher-Effekt“. Nicht den Weltcupsieger ließ man hoch leben, sondern lokale Testimonials, Superstars der Branche. Derer gibt es einige, die durch ihre Siege bei Wettbewerben auch international bekannt sind.

Schul-Arbeit. Mehreren tausend Schülern erzählten die Testimonials begeistert und glaubwürdig von ihren Karrieren.

Kurse als Incentives. Berufsschüler „belohnte“ man mit Zusatzausbildungen (z.B. Käsesommelier, Barrista). Die signalisierten: „Ihr seid für uns wertvoll, deswegen dürft ihr das machen.“ HBLA-Schüler konnten Servierprüfungen ablegen – und als Sommerpraktikanten die Fachkräftenot lindern. Einige bleiben sicher hängen.

International. Es ist nicht zu verhindern, dass Lehrabsolventen in die Welt ziehen oder von anderen Branchen abgeworben werden. Das wird direkt angesprochen. Sternad: „Geht hinaus und erzählt allen, wie lässig es bei uns ist. Und kommt mit neuen Erfahrungen zurück.“