Sebastian Kurz war gewarnt worden: Der Justizminister ist weniger steuerbar als die meisten seiner Kollegen.
Josef Moser hat es schon wieder getan: Dem Finanzminister über die Medien ausgerichtet, dass er mit den Sparplänen nicht einverstanden ist. Im Februar ging es dem Justizminister noch um mehr Mittel für das Erwachsenenschutzgesetz (das neue Sachwalterschaftsrecht). Diese Woche forderte er dann nachträgliche Budgetverhandlungen, damit sich die geplanten Einsparungen nicht auf die „Funktionsfähigkeit“ der Justiz auswirkten. Hartwig Löger soll nicht gerade erfreut gewesen sein, vor allem nicht über die Art und Weise, wie Moser sein Begehr kommunizierte. Der Finanzminister erinnerte seinen Kollegen daran, dass die Verhandlungsphase mittlerweile vorbei sei, immerhin sei das Budget in der Vorwoche dem Nationalrat vorgelegt worden.
Löger ist nicht der Einzige, bei dem der Justizminister nach etwas mehr als 100 Tagen im Amt in Ungnade gefallen ist. Es bedurfte keiner besonderen Menschenkenntnis, um aus einem Statement von Vizekanzler Heinz-Christian Strache herauszuhören, dass die Chemie zwischen ihm und Moser, der unter Jörg Haider einst Klubdirektor der FPÖ war, (derzeit) nicht stimmt. Nicht er habe die Entscheidung für Personalkürzungen im Bereich der Justiz getroffen, sagte Beamtenminister Strache am Mittwoch, sondern Moser: „Warum er dort ansetzt, müssen sie ihn fragen. Er ist jahrelang im Rechnungshof gesessen.“