Kredittauschgeschäfte, kurz "CDS", stehen wieder in der Kritik: Spekulanten hätten das griechische Finanzdebakel eskalieren lassen, meinen zahlreiche Experten. Dabei sind CDS eigentlich Versicherungen gegen Ausfälle.
Wenn Anleger befürchten, dass ein Staat seine Anleihenschulden nicht mehr zurückzahlen kann, so sichern sie sich gegen dieses Risiko ab. Das Instrument dazu sind die "Credit Default Swaps", kurz "CDS". Grundsätzlich gilt: Je wahrscheinlicher der Kreditausfall einer Anleihe, desto teurer die Versicherung.
Bei einem "Credit Default Swap (CDS)" zahlt ein Sicherungsnehmer regelmäßig Prämien an einen Sicherungsgeber, der das Risiko für bestimmte Kredite dafür übernimmt. Es ähnelt daher einer Kreditversicherung. Der Vertrag läuft bis der jeweilige Kredit entweder fällig wird oder definitiv nicht mehr getilgt werden kann - in diesem Fall muss der Sicherungsgeber einspringen. Bei "Portfolio-CDS" werden gleich mehrere Kredite (Portfolio) besichert.
Umgekehrte Beeinflussung
Eine Studie von Barclays Capital kommt nun zum Schluss, dass eben diese CDS aber die Kreditwürdigkeit von Griechenland nach unten gedrückt haben. Denn Spekulanten setzten auf steigende Risikoprämien (Spreads) bei Staatsanleihen von Griechenland. Und tatsächlich stiegen die Spreads anfangs durch die hausgemachten Finanzprobleme des Landes. Doch die Überreaktion der Spekulanten, nämlich die übertriebene Aufnahme von CDS-Absicherungen, hätten die Spreads zusätzlich nach oben getrieben.
Da hohe Risikoaufschläge normalerweise auf eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit hinweisen, kauften Anleger in weiterer Folge noch mehr CDS - ein Teufelskreis. Die Finanzprobleme brachten den Wechselkurs des Euro massiv unter Druck.
Große Investoren auf kleinem Markt
Ein zentrales Problem dabei ist, dass der CDS-Markt noch relativ klein ist. "Der Markt ist noch nicht liquide genug, ein großer Hedge-Fonds könnte die CDS-Prämien einfach beeinflussen", sagte Jean-Pierre Zigrand, Professor an der London School of Economics und anerkannter Derivateexperte in der "Financial Times Deutschland".
Luftgeschäfte mit Versicherungen
Besonders problematisch sind echte Luftgeschäfte: Nämlich dann, wenn Fonds einen CDS-Schutz kaufen, ohne überhaupt griechische Staatsanleihen zu besitzen. Das wäre wie eine Ablebensversicherung für einen Hausbaukredit abzuschließen, ohne überhaupt einen Hausbaukredit zu haben. Ziel dieser basislosen CDS-Käufe sind pure Spekulationen auf steigende CDS-Kurse und werden, wie alle Wertpapiere, vom simplen Prinzip der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage beeinflusst.
(ebl )