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„Den Beruf menschlich machen“

(c) Stanislav Jenis

Porträt. In nur zwei Jahren krempelte Georg Öfferl die Dampfbäckerei seiner Familie im Weinviertel um. Jetzt möchte der Wirtschaftsingenieur auch für die Region Impulse setzen.

Die Bäckerei seiner Eltern aufzumischen war erst der Anfang. Dabei war lang nicht sicher, ob Georg Öfferl den Betrieb in Gaubitsch im nördlichen Weinviertel überhaupt in dritter Generation fortführen würde. Selbst seine Mutter war skeptisch, es sei unmöglich, den kleinen Bäckereibetrieb gewinnbringend weiterzuführen, meinte sie. Das machte den heute 27-jährigen Wirtschaftsingenieur neugierig. Er sah sich die betriebswirtschaftliche Seite des Familienbetriebs genauer an und stellte fest: „Wir verkaufen unsere Produkte zu billig, um zu überleben.“ Und weiter: Die Backmischungen, die in der Dampfbäckerei verwendet wurden, sind zu teuer. Unabhängig werden, eigene Rezepte verwenden, das war sein Ziel. Denn: Eine Bäckerei könne nur über Qualität funktionieren.

Öfferl war so überzeugt und begeistert, dass er beschloss, sein Studium abzubrechen, die Bäckermeisterschule in Wels zu absolvieren und die Geschäftsführung von seiner Mutter, Brigitte, zu übernehmen. Vor gut zwei Jahren war das. Mit Dinkelbrot fing er an, weil er sich, damals noch im lokalen Fußballklub aktiv, eine gesunde Stärkung gönnen wollte. Bald holte er seinen zwei Jahre jüngeren Cousin Lukas Uhl, Bäcker- und Müllermeister, ins Unternehmen („Das Bewerbungsgespräch führte meine Mutter im Garten bei einem Kaffee“). Der Maschinenbauer tauschte seinen Job als technischer Zeichner – „in einem klimatisierten Büro“ – gegen die Tätigkeit in der heißen Backstube, um an den Rezepturen zu tüfteln: Alles bio und regional mit Lieferanten im Umkreis von 30 Kilometern.

So entstanden Kreationen wie Rainer Roggen, Meister Wenzl, Rotraud von Oberkulm, Robert de Vino, Ulrich Urkorn und Madame Crousto – viele andere Produkte strich er aus dem Sortiment. Gedacht für das Stammgeschäft in Gaubitsch, für ausgewählte Händler auf Märkten und Feinkostgeschäfte und ganz besonders für die gehobene Gastronomie wie das Motto am Fluss, das Steirereck oder das Park Hyatt Hotel.

So cool wie die Köche werden

Neun Mitarbeiter waren im Betrieb, als Öfferl übernahm, die Eltern inklusive. Sie unterstützten seine Änderungsvorhaben voll. Die langgedienten Mitarbeiter musste er erst überzeugen. „Jemandem, der 30, 40 Jahre nach dem gleichen Schema gearbeitet hat und der einen von klein auf kennt, zu erzählen, wie es besser geht, das war nicht einfach“, räumt Öfferl ein. Er aber war so enthusiastisch, dass auch die Belegschaft mitzog. Mittlerweile sind 18 Vollzeitmitarbeiter an Bord, viele über Mundpropaganda der Mitarbeiter gewonnen. Auch, weil Öfferl möglichst attraktive Arbeitsbedingungen wichtig sind: Er versuche, sagt er, „den Beruf menschlich zu machen“. Mit einer Fünf-Tage-Woche etwa und damit, Wochenend- und Nachtarbeit zu minimieren. Vorbild ist ihm dabei die Gastronomie: „Die Köche haben es geschafft, ein cooles Image aufzubauen“, sagt Öfferl (siehe auch „Sag, wie machen das die Kärntner?“).

Die Bäckerei war – wie gesagt – erst der Anfang. Demnächst möchte Öfferl – mit einem eigenen Geschäft – nach Wien expandieren. Im ersten Bezirk plant er spätestens im Herbst eine Filiale zu eröffnen. Zudem will er den Pendlern in der Stadt ein Angebot machen, denn „wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen, haben die Geschäfte längst zu“.

Auch die Region stärken

Daneben möchte er auch auf dem Land präsenter werden – in Gaubitsch, aber auch in anderen Orten – und mit ausgewählten Landwirten eine Vermarktungsschiene aufmachen. Denn die seien – so wie er in der Backstube – so damit beschäftigt, ihre Felder zu bewirtschaften, dass für den Verkauf kaum Zeit bleibe. Ein Zubrot solle das für alle Beteiligten werden, wenn es zum Brot auch Marmelade und andere Agrarprodukte gebe. Dahinter steht eine simple Überlegung: „Bei uns auf dem Land geht die Wertschöpfung verloren.“ Und wenn es keine Arbeitsplätze für die Jungen gebe, wanderten viele in die Städte ab. Und das möchte Öfferl verhindern, denn die Region(alität) ist ihm ein Anliegen.

ZUR PERSON

Georg Öfferl (27) übernahm vor gut zwei Jahren den Familienbetrieb und führt die Dampfbäckerei in dritter Generation. Er stellte das Angebot auf Bioprodukte mit regionalen Zutaten um. Mittlerweile verdoppelte er die Zahl der Vollzeitmitarbeiter auf 18.Ursprünglich wollte Öfferl nach der Matura an der HTL für Wirtschaftsingenieurwesen in Hollabrunn studieren, entdeckte dann aber seine Leidenschaft für den Beruf und absolvierte die Meisterschule in Wels.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2018)