Der Opernsänger als Clown

In der Oper gibt es weniger Platz für Spontaneität, sagt Rolando Villaz´on. Seine Auftritte mit den Roten Nasen sind dementsprechend eine willkommene Abwechslung.
In der Oper gibt es weniger Platz für Spontaneität, sagt Rolando Villaz´on. Seine Auftritte mit den Roten Nasen sind dementsprechend eine willkommene Abwechslung.Rote Nasen
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Rolando Villazón, seit zehn Jahren Botschafter der Roten Nasen, spricht bei einer Tagung in Wien über die Rolle von Clowns in der Gesellschaft.

Humor und Konferenz – auf den ersten Blick wirkt das fast wie ein Gegensatzpaar. Und doch werden kommende Woche Teilnehmer aus der ganzen Welt in Wien zusammenkommen, um genau diese Begriffe zusammenzubringen. „The Art of Clowning“ ist der Titel der Humorkonferenz, bei der das Thema Gesundheitsclownerie im Mittelpunkt steht. Organisiert von den Roten-Nasen-Clowns werden drei Tage lang unter anderem Themen wie die Professionalisierung der Clownarbeit, aber auch wissenschaftliche Forschung und globale Herausforderungen für die Gesundheitsclownerie diskutiert.

Auf einem Podium dabei sein wird auch Rolando Villazón – der mexikanische Startenor ist seit zehn Jahren Botschafter der Roten Nasen und tritt immer wieder als Clown in Krankenhäusern auf. Eine Erfahrung, die auch eine Abwechslung zu seinem Brotberuf ist: „Als Opernsänger spürt man die Energie des Publikums, aber man kann nicht mit dem Publikum spielen“, erzählt er im Gespräch mit der „Presse“. „Bei den Clowns gibt es keine Grenze zum Publikum.“ Genau dieser direkte Kontakt mit den Menschen sei es, der ihn an der Arbeit als Clown fasziniert. „Es ist nicht einfach eine Show, bei der die Kinder sitzen oder liegen, sondern man nimmt sie mit, berührt sie. Die Vorstellung geht in die Realität.“

Seit 1994 sind die Roten Nasen in Krankenhäusern in Österreich, aber auch in mehreren anderen Ländern unterwegs. Vor allem Kindern soll der Aufenthalt im Spital angenehmer gemacht werden, Ängste sollen genommen, schmerzhafte Therapien erträglicher gemacht werden. Und nicht zuletzt ist es auch für Angehörige und Spitalspersonal oft eine Erleichterung, wenn Clowns die typische Spitalsstimmung etwas auflockern.

„Einmal“, erzählt Villazón, sind wir als Clowns von Zimmer zu Zimmer gegangen und ein kleiner junger Mann mit Bandagen auf dem Kopf ist uns gefolgt – mit ganz ernstem Gesichtsausdruck.“ Nachdem er die Clowns eine Stunde lang verfolgt hatte, habe er plötzlich zu lachen begonnen. „Da kamen seine Eltern und haben sich bedankt – sie haben ihn in den zwei Wochen, seit er im Spital war, noch nie lachen gesehen.“

Villazón wird bei der Konferenz über die Perspektiven des Clowning sprechen. Und darüber, welche Rolle Clowns in der Gesellschaft erfüllen können. Gerade in schwierigen Zeiten, meint der Tenor, können diese Figuren Sicherheit geben. „In der Unsicherheit der Welt zeigt die Figur des Clowns, dass alles eine Konstruktion ist.“ Eine Konstruktion, die durch das Lachen des Clowns auch ins Wanken gebracht werden kann. Und, auch das hält er für ein wichtiges Element: „Clowns sagen immer die Wahrheit.“

Der gesellschaftliche Wandel hat natürlich einen Einfluss auf die Arbeit der Clowns – etwa durch die Alterung, die auch ein Thema der Konferenz ist: Wie können Clowns im Umgang mit alten Menschen im Gesundheitsbereich helfen? Aber auch die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Clowning in Krisengebieten werden Themen sein. Hier haben die Roten Nasen ebenfalls Erfahrung gesammelt – etwa in einem Krankenhaus für krebskranke Kinder in Jordanien.

Mehr als nur Blödeln

Gesundheitsclown zu sein, ist jedenfalls mehr als nur Blödeln, es ist harte Arbeit. Auch das soll die Konferenz aufzeigen. „Für mich ist Singen oder Regie führen anstrengender, als ein Clown zu sein“, meint Villazón, der Ende April als Regisseur die Premiere der „Fledermaus“ an der Deutschen Oper Berlin feiert. „Aber das ist ja auch mein täglicher Beruf, und Clown bin ich nicht so oft.“ Für einen professionellen Clown sei die Arbeit natürlich anstrengend, denn man spiele viel mit dem Körper, beherrsche oft Instrumente oder vollbringe akrobatische Kunststücke und brauche auch noch viel Spontaneität. „Es reicht nicht, einfach nur einen Witz zu erzählen.“

ZUR PERSON

Rolando Villazón (geb. 1972) wurde Anfang der 2000er-Jahre bekannt, als er Rollen an der Seite von Anna Netrebko sang. Zuletzt führte er viel Regie, er ist künstlerischer Leiter der Mozartwoche in Salzburg.

Konferenz: Das internationale Meeting der Gesundheitsclowns „The Art of Clowning“ findet von 4.–6. April an der WU Wien statt.

Web:www.hcim2018.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2018)

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