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Lesen, um schreiben zu können

Die Salzburger Sommerakademie lehrt Schreiben in verschiedenem Kontext, unter anderem auch für Kulturjournalisten.
Die Salzburger Sommerakademie lehrt Schreiben in verschiedenem Kontext, unter anderem auch für Kulturjournalisten.(c) Pia Streicher
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Ein eigenes Studium für Kulturjournalismus gibt es in Österreich nicht. Auch Weiterbildungen sind rar und beziehen sich vor allem auf die Tätigkeit für kulturelle Institutionen.

Die neuen Medien haben den klassischen Journalismus verändert und bunter gemacht. Weltweite Trends wie Mobile Reporting (Aufbereitung journalistischer Formate für das Lesen auf dem Smartphone), gemeinnütziger Journalismus, User Generated Content, lokale Blogs oder Crowdfunding werden auch im Teilgebiet des Kulturjournalismus abgebildet.

Der britische Kunstkritiker, Autor und Journalist Martin Herbert, der für international führende Zeitschriften wie „Artforum“ und „Art Review“ arbeitet, beurteilt die Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für Kulturjournalisten heute als sehr vielfältig. Es gebe wesentlich mehr literarische und experimentelle Formate. Allerdings werde professionellem Journalismus (auch im ökonomischen Sinn) weniger Wert beigemessen als früher, sagt Herbert, der ab Ende Juli bei der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg zu Gast sein wird. Sein Kurs „Schreiben über zeitgenössische Kunst“ richtet sich an Personen, die sich in der Kunstkritik betätigen, erläuternde Texte für ein Museum verfassen oder die persönliche Erfahrung eines Galeriebesuchs in Worte fassen möchten. Die Teilnehmer werden sich mit verschiedenen Formaten befassen, etwa der Ausstellungsbesprechung, dem längeren Aufsatz oder mit Texten, die für Institutionen erstellt werden.

 

Verschiedene Formate

Angehenden Kulturjournalisten empfiehlt Herbert, trotz veränderter Gegebenheiten alte Tugenden zu pflegen: verschiedene Formate zu meistern, selbst zu publizieren, Aufträge auszuführen und vor allem viel zu lesen. Die Redensart „If you don't read, you can't write“ sei noch immer gültig, sagt Herbert.

Dass eine Schlüsselfähigkeit von Kulturjournalisten nach wie vor das Verfassen qualitätsvoller Texte ist, bringt auch die Bezeichnung des Bachelorstudiums Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus der Universität Hildesheim zum Ausdruck. „Für uns war und ist gerade die Kombination von großer Bedeutung“, sagt Guido Graf vom Institut für literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität. „Für einen eigenständigen, wirkungsvollen und überraschenden kulturjournalistischen Blick auf die Gegenwart sind gerade auch Kompetenzen und Techniken des kreativen Schreibens wichtig. Das gilt selbstverständlich auch umgekehrt.“ Als Zugangsvoraussetzung wird vor allem kreative oder künstlerische Begabung gefordert.

Das Hildesheimer Studium ist im deutschsprachigen Raum eines der wenigen staatlich finanzierten Hochschulstudien in diesem Bereich, im Unterschied etwa zum Masterstudium Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin, für das Studiengebühren von 500 Euro pro Monat anfallen. In der Schweiz kann man an der Zürcher Hochschule der Künste Kulturpublizistik als eine von drei Vertiefungen im Masterstudium Art Education studieren. Österreich hingegen verfügt ungeachtet seines Selbstverständnisses als Kulturnation derzeit über keinen dezidierten Kulturjournalismus-Studiengang.

 

Punktgenau kommunizieren

Auch in der Weiterbildung sei eher kulturelle Kommunikation gefragt, sagt Karin Wolf, Leiterin des Wiener Instituts für Kulturkonzepte. „Um ihr Publikum zu erreichen, müssen Kulturbetriebe ständig punktgenau auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Ebenen kommunizieren. In den sozialen Medien, in allem, was schriftlich hinausgeht, in ihren Pressemitteilungen – ja, es gibt sie noch –, in persönlichen Gesprächen und in der gesamten Kulturvermittlung.“ Corporate Wording werde immer wichtiger. In den Kommunikationsabteilungen von Kulturbetrieben gebe es auch die besten Jobchancen, vor allem für die Generation der Digital Natives. Ihr Institut adaptiere mittlerweile mehrmals im Jahr Schwerpunkte der Seminare zum Thema Kommunizieren und Schreiben, um valide Inhalte für dieses Berufsfeld anbieten zu können. Alle Kulturkonzeptseminare (darunter etwa Crossmediales Storytelling, PR in Kulturinstitutionen, Optimales Texten) können einzeln besucht oder zu einem individuellen Lehrplan zusammengestellt werden.

Web: www.summeracademy.at
www.uni-hildesheim.de

www.kulturkonzepte.at

EVENT

Info-Frühstück Kulturkonzepte

Am 12. April veranstaltet Andrea Zsutty, Leiterin der Abteilung Kunstvermittlung im Bank-Austria-Kunstforum Wien sowie des Zertifikatslehrgangs Kulturvermittlung am Institut für Kulturkonzepte, ebendort eine Informationsveranstaltung zum Berufsbild „Kunst- und Kulturvermittler“ und gibt Tipps zum Karriereeinstieg.

Unkostenbeitrag: fünf Euro.

Anmeldung: office@kulturkonzepte.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2018)