Spanien: Geheimdienst gegen Spekulanten

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Politiker wittern im Druck auf Spanien eine Verschwörung gegen den Euro. Nun gehört es zum Job von Agenten, diese zu untersuchen: Eine Spezial-Abteilung des Geheimdiensts prüft ökonomische Attacken.

Wien(gau). Geheimdienste machen nicht nur auf Spione, Terroristen und finstere Diktatoren Jagd. Der spanische CNI hat eine neue Zielscheibe gefunden: die Wirtschaftspresse und internationale Finanzinvestoren. Nach Berichten der Zeitung „El País“ untersucht die ökonomische Abteilung des CNI schon seit Wochen, ob die „Attacken der Investoren“ gegen Spanien und die „Aggressivität einiger angelsächsischer Medien“ der „Dynamik des Marktes gehorchen“ oder „mehr hinter dieser Kampagne steckt“.

Nun gehört es wohl zum Job von Agenten, düstere Verschwörungen zu wittern. Doch die ungewöhnlichen Aktivitäten fügen sich in eine Stimmungslage, die von führenden Politikern vorgegeben wird. Angesichts von fast 20 Prozent Arbeitslosigkeit und einem Budgetdefizit von über zehn Prozent des BIP suchen sie den gemeinsamen Feind im Ausland.

Auslöser war der berühmte US-Ökonom Nouriel Roubini, der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in den Mittelpunkt des Interesses rückte: „Wenn Griechenland fällt, ist das ein Problem. Wenn Spanien fällt, ist es eine Katastrophe.“ Nobelpreisträger Paul Krugman sekundierte. Seitdem insinuiert der sozialdemokratische Premier José Luis Rodriguez Zapatero immer wieder, die britische und die US-Presse griffen bewusst die Kreditwürdigkeit Spaniens an, um den Euroraum an einer verwundbaren Flanke zu treffen.

Zeitungen im Visier

Ziel sei, liest man zwischen den Zeilen, eine Schwächung der europäischen Einheitswährung auf Kosten der Spanier, die durch höhere Risikoaufschläge auf ihre Staatsanleihen in eine Schuldenfalle des öffentlichen Haushalts getrieben werden.

Was der Premier nur zart andeutet, sprach José Blanco, Infrastrukturminister und Vizechef der Sozialisten, in einem Radiointerview offen aus: „Nichts, was auf der Welt passiert, auch die apokalyptischen Leitartikel einiger ausländischer Medien, ist zufällig oder unschuldig. Hinter allem steckt ein Ziel“ – in diesem Fall „eine Attacke gegen den Euro“.

Besonderen Verdacht erregt die britische „Financial Times“. Die weltweit einflussreichste Finanzzeitung hat sich in mehreren Artikeln kritisch zur Haushaltslage Spaniens und der Fähigkeit der Regierung zu Reformen gezeigt. Nach dem Blanco-Interview bloggte eine Kolumnistin, seine Vorwürfe seien „paranoid“.

Auch manchen Kollegen sind die finsteren Theorien peinlich. Wirtschaftsminister José Manuel Campa beeilte sich zu versichern, es gebe „keine Verschwörung“. Vizepremier Elena Salgado wagte sich sogar in die Höhle des Löwen: Sie besuchte die Londoner Zentrale der „Financial Times“ und verteidigte dort vor den leitenden Redakteuren die Zahlungsfähigkeit ihres Landes. Kommentar Seite 27

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2010)

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