Bei der AUA fiel den Experten die Gewinnschätzung schwer, beim Flughafen Wien am leichtesten. Die genaueste Prognose kam dabei von Oppenheim-Analyst Hartmut Moers.
Wien (ker). Die Erste Group gab im Jahr 2009 die besten Analysen über österreichische Aktien ab. Das geht aus einer Studie hervor, welche das Londoner Analysehaus AQ Research in den nächsten Tagen veröffentlichen wird. AQ Research führt jährlich eine umfassende Analyse durch, wie genau die Prognosen internationaler Analysten sind. Dabei werden nicht die Genauigkeit der Kursziele oder das Zutreffen von Kauf- oder Verkaufsempfehlungen gemessen. Als Bezugswert dient vielmehr der Gewinn pro Aktie der jeweiligen Börsenfirmen.
Diesbezüglich legte die Erste Group laut der Studie nicht nur in Österreich, sondern auch in Tschechien und Ungarn durchschnittlich die genausten Prognosen vor. Sie hat die Analysten der UniCredit auf den zweiten Platz verdrängt, die im Vorjahr noch die besten Expertisen über die heimischen börsennotierten Unternehmen abgegeben hatten.
Gerald Walek von der Erste Group veröffentlichte demnach im Durchschnitt die genauesten Vorhersagen. Bei den Prognosen für die Unternehmen Schoeller-Bleckmann Oilfield und BWT (Best Water Technology) lag er an erster Stelle. Oppenheim-Analyst Peter Szopo hatte bei fünf der sieben von ihm betreuten Aktien die akkuratesten Analysen. Im Durchschnitt lag er aber klar hinter Walek. Vorjahressieger Christoph Schultes (Erste Group) landete auf Platz vier.
Genauigkeit um 15 Prozent schlechter
„Die Analysten hatten eine schwierige Zeit, die Unternehmensergebnisse zu prognostizieren. Verglichen mit dem Jahr davor ist die Genauigkeit der Prognosen um 15 Prozent schlechter“, sagt William Russell-Smith, Direktor von AQ Research. Am schwierigsten zu prognostizieren war in Österreich die AUA, deren Aktie mittlerweile von der Börse genommen wurde. Die genaueste Prognose kam dabei von Oppenheim-Analyst Hartmut Moers. Der Flughafen Wien war jenes Unternehmen, dessen Entwicklung offenbar am einfachsten vorherzusagen war. Die Anleger konnten sich dabei aber am besten auf die Prognose von Katharina Kastenberger (UniCredit) verlassen.
Hoher Gewinn mit Immoeast-Aktie
Wer Anfang 2009 Aktien der Immobilienfirma Immoeast kaufte und sie am Ende des Jahres wieder verkaufte, erzielte einen Kursgewinn von mehr als 700 Prozent. Die Analysten lagen jedoch mit den Ertragsprognosen für die Immoeast teilweise weit daneben. Am treffendsten hatte noch Gernot Jany (Erste Group) das Unternehmen eingeschätzt.
Im Leitindex ATX konnten die Anleger im vergangenen Jahr mit der Aktie des Online-Sportwettenanbieters Bwin die meisten Gewinne einfahren. Das Papier legte um mehr als 200 Prozent zu. Das Ertragspotenzial des Unternehmens hat dabei Paul Hoffmann von Oppenheim Research am genauesten vorhergesehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2010)