Giftaffäre Skripal: Chemiewaffenorganisation vor Sondersitzung

Hauptquartier der OPCW in Den Haag
Hauptquartier der OPCW in Den HaagOPCW/Flickr

Das höchste Gremium der OPCW in Den Haag tritt morgen wegen des bisher ungeklärten Giftanschlags auf einen russischen Ex-Spion in England zusammen. Der Hauptverdächtige, Russland, bestreitet die Vorwürfe, hinter der Tat zu stecken.

Der Exekutivrat der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) wird am Mittwoch zur Beratung über den Fall Skripal zusammenkommen. Das bestätigte die Organisation am Dienstag in Den Haag. Russland hatte die Sondersitzung des Leitungsgremiums der OPCW beantragt.

Die Affäre um die mutmaßliche Nervengift-Attacke auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien hatte zu erheblicher Verstimmung zwischen dem Westen und Russland geführt. OPCW-Experten hatten Spuren des Giftes namens Novitschok, das in Salisbury benutzt worden war und unter anderem an der Schnalle der Haustür Skripals gefunden worden war, untersucht. Unklar war zunächst, ob bei der Sondersitzung bereits Ergebnisse der Untersuchung vorgelegt werden sollten.

Der frühere russische Doppelagent war am 4. März zusammen mit seiner Tochter Julia in Salisbury bewusstlos in einem Einkaufszentrum gefunden worden. Großbritannien geht davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Super-Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden und verdächtigt daher Russland, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Moskau bestreitet dies vehement.

Russischer Fragenkatalog publiziert

Russland hatte der OPCW, aber auch der Regierung in London und überraschenderweise auch jener in Paris Paris zuvor einen Fragenkatalog zur Klärung des Vorfalls geschickt. Am Dienstagnachmittag veröffentlichte die russische Botschaft in Wien (und wohl auch in anderen Ländern) diesen Katalog und stellte ihn auf ihrer Homepage online. Der "Fall der Skripals" sei von London gegen Russland "fabriziert" worden, heißt es gleich zu Anfang.

Danach folgen Fragen. Etwa, warum die Briten keine konsularischen Mitarbeiter Russlands an die Krankenbetten der zwei Giftopfer vorlassen würden; wieso London glaube, die angeblich russische Herkunft des Giftes mit Sicherheit ermittelt zu haben; wieso die englischen Sanitäter sogleich angeblich passende Gegenmittel dabeigehabt hätten; wieso Frankreich in diesem Fall, wo es um Russen auf englischem Gebiet gehe, technisch hinzugezogen worden sei; ob Großbritannien oder Frankreich Kontrollmuster des Giftes besäßen, sodass es überhaupt als Nowitschok identifiziert werden könne; ja ob solche Substanzen nicht auch in Großbritannien oder Frankreich selbst entwickelt worden seien.

Die Sitzung des Rates findet Berichten zufolge unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die OPCW mit Sitz in Den Haag ist verantwortlich für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahre 1997.

(APA/DPA/red.)