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Bundesheer: Zwei Drittel der Eurofighter flügellahm

Bundesheer: Zwei Drittel der Eurofighter flügellahm
(c) APA (Alenia Aeronautica)
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Nur fünf Kampfflugzeuge sind derzeit einsatzbereit. Das Bundesheer beschwichtigt. 15 Eurofighter seien aber zu wenig. Die Offiziersgesellschaft kritisiert indessen, dass nur 5000 bis 10.000 Soldaten einsetzbar sind.

Wien. Die Negativmeldungen über das Bundesheer reißen nicht ab. Nur fünf der fünfzehn Eurofighter sind derzeit einsatzbereit, bestätigte der stellvertretende Generalstabschef Othmar Commenda am Montag einen Bericht von „Heute“. Damit trifft es ausgerechnet jenen Bereich, in dem das Bundesheer ganz bewusst auf modernste Technologie gesetzt hat. In den vergangenen Tagen ist auch bekannt geworden, dass nur die Hälfte der Panzer einsatzbereit ist. Zudem hat die Volksanwaltschaft einen vernichtenden Bericht über den Zustand der Soldatenunterkünfte veröffentlicht.

Bei beidem ging es quasi um Altlasten: um uralte Kasernen, die jahrzehntelang nicht renoviert wurden, und um Panzer, die teilweise schon gebraucht angekauft wurden. Aber warum funktionieren die hypermodernen Kampfflugzeuge nicht?

Michael Bauer, Pressesprecher des Bundesheers, sieht kein Problem. Es sei normal, dass ein Teil der Flieger ständig gewartet werde und nicht alle einsatzbereit seien. Entscheidend sei, dass man die Aufträge erfüllen könne. Derzeit beispielsweise sei eine Rotte – diese besteht aus zwei Flugzeugen – ständig einsatzbereit und könne jederzeit zur Luftraumüberwachung aufsteigen. Wenn es erhöhten Bedarf gebe, wie das etwa beim Weltwirtschaftsforum in Davos der Fall war, dann könnten auch ständig zwei Flugzeuge in der Luft sein.

 

15 Eurofighter sind zu wenig

Aber auch Bauer gibt zu, mit fünfzehn Flugzeugen ist es eng: „Das Bundesheer wollte nicht umsonst 24 Maschinen bestellen.“ Bekanntlich hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Jahr 2002 nach dem Donauhochwasser die Bestellung auf 18 Flugzeuge zusammengestrichen, Verteidigungsminister Darabos ging 2007 bei seinen Vergleichsverhandlungen mit dem Eurofighter-Hersteller auf fünfzehn Kampfflieger herunter.

Dass ein Teil der Flieger ständig gewartet wird, ist tatsächlich Normalität in allen Armeen der Welt. Doch bei zwei Drittel der Flugzeuge ist das eher ungewöhnlich. Der Grund dafür laut Insidern: Die Anlieferung von Ersatzteilen durch den Eurofighter-Hersteller erfolgt nur sehr zögerlich. Damit muss man Ersatzteile aus Fliegern ausbauen, um die anderen betriebsbereit halten zu können – eine Form der „Kannibalisierung“, die normalerweise am Ende des Lebenszyklus stattfindet, nicht am Beginn.

Der zögerliche Nachschub an Ersatzteilen hat mit dem Vergleich zu tun, den Darabos 2007 geschlossen hat und der dem Bundesheer angeblich 370 Millionen Euro gespart hat. Teil dieses Vergleichs ist nämlich auch, dass Österreich teilweise gebrauchte Eurofighter angekauft hat und dass diese nicht mehr – wie ursprünglich vereinbart – auf den neuesten technischen Stand (Tranche-2) aufgerüstet werden.

Da aber die Tranche-1-Flugzeuge in den anderen Armeen an Bedeutung verlieren, muss der Hersteller für Österreich eine eigene Logistikschiene aufbauen – und ist dabei nicht sonderlich engagiert, heißt es in Fliegerkreisen. Ersatzteile müssen von Tranche-2 auf Tranche-1 „requalifiziert“ werden. Und das könnte in Zukunft auch teuer werden, wenn diese Ersatzteile eigens nur noch für das österreichische Bundesheer produziert werden müssen. Für Georg Mader, Österreich-Korrespondent der internationalen Militärflugzeitschrift „Jane's Defence Weekly“, ist der von Darabos ausgehandelte Vergleich kontraproduktiv: „Da wurde viel mehr an Wert vernichtet als eingespart wurde.“ Ob das so stimmt, kann freilich niemand bestätigen, Darabos hält den Vertrag mit der Eurofighter GmbH unter Verschluss und hat ihn auch nicht dem Parlament zur Verfügung gestellt.

 

Kritik der Offiziere

Kritik am Bundesheer gibt es nicht nur wegen der Eurofighter. Die Offiziersgesellschaft hat am Montag in einem offenen Brief Mängel im Heer aufgezeigt. Der Präsident der Offiziersgesellschaft, Eduard Paulus, meint darin, er müsse „seit Monaten mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass nach Auffassung maßgebender Führungskräfte beim österreichischen Bundesheer alles in allerbester Ordnung ist, auch wenn seit fünf Jahren keine Volltruppenübungen stattfinden, das Heer auf nur mehr 5000 bis 10.000 sofort einsetzbare Soldaten heruntergefahren wurde, viele Kasernen eine Schande für die Republik sind und unsere Grundwehrdiener zum Teil immer noch in 48-Mann-Schlafsälen hausen müssen“. Paulus kritisiert auch den Assistenzeinsatz im Grenzraum, der Sinn und Rechtfertigung verloren habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16. Februar 2010)