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"Sie saugen alles auf": Apple legt sich mit Facebook an

Cook, CEO of Apple Inc., takes part in an education-focused event in Chicago
Apple-Chef Tim Cook: "Wir machen uns seit Jahren Sorgen, dass Menschen in vielen Ländern ihre Daten hergeben, ohne zu wissen, was sie da tun."REUTERS
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Im Datenskandal rund um Facebook gießt Apple-Chef Tim Cook Öl ins Feuer: Bei Apple habe man das kommen sehen, so Cook. Facebook und Google würden die Daten der User "aufsaugen": "Wir glauben, das ist falsch."

Am Gipfel ist die Luft dünn. Das weiß Facebook-Chef Mark Zuckerberg jetzt. Nach dem Skandal um rund 50 Millionen Userdaten, die an die britische Beratungsfirma Cambridge Analytica weitergegeben wurden, gehen ausgerechnet dem Erfinder des erfolgreichsten sozialen Netzwerks aller Zeiten die Freunde aus. Kritik gab es schon von Tesla-Chef Elon Musk und Salesforce-Gründer Marc Benioff.

Aber vor allem Apple spart nicht mit scharfen Worten. „Es darf aus meiner Sicht nicht sein, dass jeder wissen kann, was du vor Jahren im Internet gesucht hast, wer deine Kontakte sind, was du magst oder nicht und jedes andere intime Detail deines Lebens“, sagte Apple-Chef Tim Cook in Peking. Die Situation in Bezug auf Userdaten sei so brenzlig, dass es „gut gemachte“ Regulierungen brauche, so Cook: „Wir machen uns seit Jahren Sorgen, dass Menschen in vielen Ländern ihre Daten hergeben, ohne zu wissen, was sie da tun und dass sie eines Tages empört darüber sein werden, was mit diesen Daten gemacht wurde.“ Dieser Fall sei nun eingetreten.

Schon Steve Jobs war besorgt

Cambridge Analytica hat unter anderem die Kampagne des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump beraten. Die britische Firma ist im Besitz von Facebook-Userdaten von rund 50 Millionen Amerikanern und steht seit einigen Wochen für ihre fragwürdigen Methoden massiv in der Kritik.

Facebook hat seine Daten-Einstellungen bereits verschärft. Aber dies wäre wegen der neuen EU-Datenschutzverordnung ohnehin notwendig gewesen. Auch Apple hat kürzlich neue Datenschutz-Einstellungen eingeführt.

Auf die Frage, was er an Zuckerbergs Stelle tun würde, sagte Cook Ende März: "Ich wäre gar nicht in seiner Situation." Tatsächlich könnte Apple, das sein Geld vor allem mit dem iPhone verdient, imagemäßig von dem Skandal rund um Facebook profitieren. Schon Apple-Gründer Steve Jobs hatte sich über die Datensammelwut anderer Firmen besorgt gezeigt: „Wir nehmen den Schutz der Privatsphäre sehr ernst.“

Hauptziel der Apple-Attacken war bisher aber nicht Facebook, sondern Google. Der Internetgigant bietet mit Android ein Gratis-Betriebssystem für verschiedene Handyhersteller an. Android ist weltweit das am weitesten verbreitete mobile Betriebssystem. Apples iOS folgt mit einigem Abstand auf Platz zwei. Auch die meisten anderen Google-Services sind für die Nutzer gratis.

Zuckerberg schießt zurück

Wie Facebook sammelt aber auch Google die Daten der Nutzer – um ihnen maßgeschneiderte Werbung präsentieren zu können. Apple hingegen macht sein Geld durch den Verkauf von Hardware und ist deshalb weniger auf Daten angewiesen. Schon 2015 sagte Cook über Facebook und Google: „Sie saugen alles auf, was sie über dich herausfinden können. Wir glauben, das ist falsch. Das ist nicht die Art Firma, die Apple sein will.“ Das Unternehmen habe sich deshalb besonders vorsichtig positioniert, wenn es um User–Daten geht. Apples eigener Werbedienst wurde von Cook eingestellt.

Vor zwei Jahren hatte Apple sich medienwirksam geweigert, das iPhone eines potenziellen Terroristen für die US-Regierung zu entsperren. Damals gab es Unterstützung von anderen Tech-Giganten. Damit ist es jetzt vorbei. Der Streit um die Verwendung von Userdaten droht zur Schlammschlacht im Silicon Valley zu werden. Nach den Kommentaren des Apple-Chefs feuerte Facebook–Chef Mark Zuckerberg zurück – mit einer Attacke auf die Preispolitik von Apple.

Facebook wolle auch Menschen erreichen, die nicht reich seien, so Zuckerberg: „Da brauchst du etwas, das die Menschen sich auch leisten können.“ Finanzierung über Werbung sei das „einige rationale Modell“, um Menschen zu erreichen, die sich einen Bezahlservice nicht leisten können.
[OCHJK]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2018)