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Helena Guggenbichler: Eine Generalsekretärin auf weiter Flur

Helena Guggenbichler
Helena GuggenbichlerBKA / Christopher Dunker
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Helena Guggenbichler ist nun die ranghöchste Beamtin im Sozialministerium und einzige Frau in dieser Funktion. Sie war vorher weder politisch aktiv noch hatte sie Berührungspunkte mit dem Sozialministerium.

Wien. Der letzte Spitzenjob in einem österreichischen Ministerium wurde von der Regierung nun vergeben. Sozialministerin Beate Hartinger-Klein ließ sich bei der Wahl ihres Generalsekretärs mehr als drei Monate Zeit. Und wählte schlussendlich eine Generalsekretärin aus. Wie „Die Presse“ berichtete, wird die 38-jährige Helena Guggenbichler die einzige Frau unter sonst nur männlichen Kollegen in dieser Funktion sein.

Seit Dienstag ist sie als Generalsekretärin allen Sektionen mit Weisungsrecht übergeordnet. Sie selbst sieht ihre Funktion als Schnittstelle zwischen Politik und Beamtenapparat. Eine herausfordernde Aufgabe, denn Guggenbichler ist in beiden Bereichen Quereinsteigerin. In der Politik hatte sie bisher keine Funktionen inne. Wenn sie in diesem Kontext auftrat, dann nur an der Seite ihres Mannes bei Veranstaltungen. Udo Guggenbichler ist für die FPÖ Gemeinderat in Wien und einer der Organisatoren des umstrittenen Akademikerballs, auf dem sich jährlich Burschenschafter unter heftigen Protesten der Linken in der Hofburg zum Tanz treffen.

Neue Strukturen im Ministerium

Auch fachlich ist das Sozialministerium für Guggenbichler Neuland – zuvor war sie in Technik-affinen Betrieben tätig. Zuletzt arbeitete sie im Energie- und Automatisierungstechnikkonzern ABB, der verschiedene Technologien für den industriellen Gebrauch herstellt. Davor war sie bei Hewlett-Packard. Der Konzern ist einer der größten US-amerikanischen PC- und Druckerhersteller. Guggenbichler ist gebürtige Deutsche, studierte Betriebswirtschaft in Wien und Madrid, absolvierte zusätzlich das postgraduale Studium International Executive MBA an der Hochschule St. Gallen.

Guggenbichler ist also in vielerlei Hinsicht eine Anfängerin – auf deren Talent Ministerin Beate Hartinger-Klein offenbar trotzdem blind vertraut. Die Ministerin verteilte bei Amtsantritt Vorschusslorbeeren, lobte sie als erfahrene Expertin, „die die operativen Geschicke rund um das Sozialministerium zu lenken weiß. Sie wird Synergien zwischen den verschiedenen Bereichen nutzen, um die Prozesse zu optimieren“, sagte Hartinger-Klein.

„Prozesse optimieren“ wird wohl eine Umstrukturierung des neuen Superministeriums – und vor allem eine neue Geschäftsordnung – bedeuten. Durch die Zusammenlegung von Sozial- und Gesundheitsministerium unterstehen dem Ressort nun ganze zehn Sektionen. Zum Vergleich: Das Bildungsministerium hat nur drei Sektionen. Sogar das Infrastrukturministerium, das bereits als sehr großes Ministerium gilt, hat nur vier.

Der große Apparat des Sozialministeriums soll nun also gestrafft werden, Doppelgleisigkeiten, die in Gesundheits- und Sozialministerium im Laufe der Zeit entstanden sind, beseitigt werden. Laut „Presse“-Informationen soll mit der Restrukturierung nach der EU-Ratspräsidentschaft begonnen werden. Der Zeitpunkt ist auch insofern günstig, als im nächsten Jahr voraussichtlich sowieso drei Sektionsleitungen nachzubesetzen sind.

Die neue Generalsekretärin hat also wie ihre Ministerin große Baustellen zu bewältigen – und soll für diese Zwecke Hilfe bekommen. Aus dem Sozialministerium ist zu hören, dass Guggenbichler von extern einen ganzen Stab von Vertrauten und Mitarbeitern mitbringen will – Räumlichkeiten wurden bereits frei gemacht. Eine Generalsekretärin samt Abteilung bedeutet auch eine Schwächung des Kabinettschef Volker Knestel – mit dem die Ministerin dem Vernehmen nach kein besonders gutes Auslangen findet.

ZUR PERSON

Helena Guggenbichler ist 38 Jahre alt, gebürtige Deutsche, studierte Betriebswirtschaft in Madrid und Wien. Sie soll als Generalsekretärin im Sozialministerium die Schnittstelle zwischen Politik und fachlichem Apparat sein. In beidem ist sie Debütantin. In der Politik ist sie bisher nicht in Erscheinung getreten, hatte keine Funktionen. Fachlich gesehen hatte sie mit dem Sozialministerium vorher keine Berührungspunkte. Sie arbeitete zuvor in technikaffinen Branchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2018)