Neuer Ärger bei Kika/Leiner

Kika-/Leiner-Chef Gunnar George
Kika-/Leiner-Chef Gunnar GeorgeAPA/GEORG HOCHMUTH

Der skandalgebeutelte Möbelkonzern Steinhoff ließ die Bombe platzen: Er hat Läden in Europa um eine Milliarde zu hoch bewertet. Kika/Leiner dürfte stark davon betroffen sein.

Wien. Ende Jänner konnte Kika-/Leiner-Chef Gunnar George noch lachen. Damals verkündete der deutsche Manager, dass die Fehler der südafrikanisch-deutschen Mutter Steinhoff dem Geschäft in Österreich nichts anhaben konnten. „Zukunft gesichert“, hieß es in der Aussendung seiner Möbelkette. Ein „mehrstelliger Millionenbetrag“ sichere von nun an die Zukunft der 50 Häuser für bis zu zwei Jahre ab.

Man glaubte schon, den Bilanzskandal, der in der Vorweihnachtszeit über die Mutter Steinhoff hereingebrochen war, relativ unbeschadet überstanden zu haben. Zwar verkündete George in weiterer Folge die Schließung von vier unrentablen Geschäften in Österreich. Aber sein Spar- und Konsolidierungskurs schien wieder zu passen.

Doch jetzt dürfte ihn die Geschichte erneut einholen. Es war der Steinhoff-Konzern selbst, der am Dienstagabend die Bombe platzen ließ: In einer Ad-hoc-Meldung gab er bekannt, dass 140 Standorte in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien und in Osteuropa mit 2,2 Mrd. Euro viel zu hoch bewertet worden waren und diese Firmenbeteiligungen nun wohl berichtigt werden müssen.

Das sei das Ergebnis der von der Steinhoff-Immobilientochter Hemisphere beauftragten unabhängigen Prüfgesellschaft CBRE Limited. Und in ihrem Gutachten spielen die Kika-/Leiner-Standorte eine prominente Rolle. Denn anders als andere Töchter wie die französische Conforama-Gruppe oder die deutsche Poco mieten Kika und Leiner die Mehrheit ihrer Filialen in Österreich und Osteuropa von der Steinhoff-Tochter Hemisphere. Daher fallen die Geschäfte, Büros, Lager und Gründe jetzt direkt in die neu zu bewertende Masse.

 

Externe Prüfer deckten Tricks auf

Die Neubewertung der Firmenbeteiligung kommt nicht ganz überraschend. Schließlich hatte Steinhoff schon im Dezember nach dem Abgang von Chef Markus Jooste bekannt gegeben, dass es seine Bilanzen bis 2015 zurück neu aufrollen muss. Auch war bereits bekannt, dass die Wirtschaftsprüfer der Kanzlei PwC weitere Experten wie unter anderem CBRE zu Rate ziehen wollen und alle Bilanzveröffentlichungen für 2017 und die Jahre davor vorerst auf Eis liegen.

Was CBRE fand, gab der angeschlagenen Aktie am Mittwoch dann dennoch einen weiteren Schlag: Die Prüfer fanden heraus, wie die Werte der Immobilien und Grundstücke aufpoliert wurden und nennen die Praktiken auch beim Namen.

In der Mitteilung findet sich natürlich nirgends das Wort Trick. Dafür aber der Hinweis, dass man anders als die Eigentümer leer stehende Immobilien und Vermietungen von einer Tochter an die andere nicht berücksichtigte. So kam man zu dem Ergebnis, dass das Portfolio von Hemisphere tatsächlich 1,1 Mrd. Euro, und nicht die von Steinhoff kalkulierten 2,2 Mrd. Euro wert ist. Die berichtigte Summe soll jetzt in die Bilanz 2017 einfließen, schrieb der Möbelkonzern. Wie reagiert man in Österreich auf die jüngste Entwicklung? Kika-/Leiner-Sprecherin Sonja Felber verwies am Mittwoch gegenüber der „Presse“ darauf, dass die Möbelkette eben nur Mieter ist. Man könne daher nichts zu der Neubewertung der Immobilien sagen.

 

Verschachtelte Firmenkonstruktion

Fakt ist aber, dass Gläubigerschützer schon im Jänner zu Vorsicht rieten, als das 200 Millionen Euro tiefe Liquiditätsloch unter Steinhoff und seinen Europa-Töchtern aufging. Als Problem nannten sie damals, dass die werthaltigen Immobilien in der verschachtelten Firmenkonstruktion oft in eigenen Gesellschaften geparkt seien. Daher wisse man nicht, wie es um die Möbelkette stehe, auch wenn ihnen die Bilanzen in Österreich solide scheinen.

Zum Jahreswechsel schaffte die Führung von Kika/Leiner gerade mit dem Verkauf einer ihrer Immobilien den Befreiungsschlag. Sie trat in einer nächtlichen Aktion ihr Vorzeigehaus auf der Wiener Mariahilfer Straße an Immobilieninvestor René Benko ab. Der Verkauf soll das akute Finanzloch von 80 Mio. Euro damals zur guten Hälfte gestopft haben und die Dezembergehälter der knapp 6000 Mitarbeiter bezahlt haben. Branchenbeobachter nannten den Schachzug gelungen und richtig. Selbst Leiner-Betriebsratschef Karl Vogl pries die Aktion damals als „notwendige Ad-hoc-Maßnahme“.

Dass die Immobilien von Kika/Leiner nun wieder für Schlagzeilen sorgen, dürfte weniger positiv aufgefasst werden.