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Führungsstile

„Status bekommt man verliehen“

(c) Marin Goleminov
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„Wer den besseren Zugang zu Ressourcen hat, symbolisiert damit seinen Status“,sagt Verhaltensbiologe Gregor Fauma. Doch wer hohen Status haben will, muss delivern.

Der neuere Laptop, der teurere Anzug, das imposantere Auto. Den Parkplatz näher beim Eingang und das Büro weiter oben mit der besseren Aussicht. Während rund um das Gehalt das große Schweigen herrscht, tobt um Statussymbole in Unternehmen nicht selten Krieg.

Denn, sagt der Verhaltensbiologe Gregor Fauma, „es geht immer um Ressourcen. Wer den besseren Zugang zu Ressourcen hat, symbolisiert damit seinen Status.“ Dafür muss mit diesen Ressourcen mitunter auch verschwenderisch umgegangen werden: Werden Geschäftspartner ins teure Restaurant eingeladen, muss es ein besonders teurer Wein sein.

Der Ressourceneinsatz kann auch anders aussehen und sich in der Gehgeschwindigkeit zeigen: Während der Portier durch das Haus schlendert, beschleunigen Teamleiter, werden aber von Abteilungsleitern überholt, die wiederum von Bereichsleitern überholte werden. Der Leiter der Rechtsabteilung sprintet förmlich. „Höherrangige Männer gehen schneller als niederrangige“, sagt Fauma. Nur: Der Chef hat so hohen Status, dass er es sich wieder leisten kann, so langsam zu gehen wie der Portier.

Image und Reputation

„Wir können auf Status nicht verzichten“, sagt Fauma. Umgekehrt: „Wir bekommen ihn verliehen.“ Und oft werde man auch nicht erst gefragt, ob man ihn überhaupt haben wolle. Dieser Status kann in Reputation und Image unterschieden werden, wobei die Reputation auf Kompetenzen, Handlungen und Erfahrungen basiert, während das Image das Bild widerspiegelt, wie die Person wahrgenommen wird.

Hoher Status ist auch in Bezug auf die sexuelle Selektion relevant: Frauen wie Männer bevorzugen Partner mit höherem Status. Das ist einer der Gründe, warum (früher) viele Männer zum Militär gingen: Es bot die Chance auf Rang und Einkommen. Und damit Status.

Wer hohen Status haben will, muss eine Gegenleistung an die Gruppe abliefern. „Man muss delivern“, sagt Fauma, um damit Leadership-Fähigkeiten zu beweisen. Man muss etwa schneller reagieren können. Oder, wie es sich für Leader gehört, die besseren Visionen entwerfen und die Gruppe eher dafür begeistern können. Denn während nach der Definition von John P. Kotter, Professor für Führungsmanagement in Harvard, Manager eher Verwalter sind, sind Leader in der Lage, Visionen zu entwickeln.

Nicht auf Lebenszeit

Diesen Leadern kommt daher auch die Aufgabe zu, die in der Gruppe notwendige Kooperation koordinieren zu dürfen. Weil sie von den Gruppenmitgliedern als besonders glaubwürdig wahrgenommen werden. Allerdings ist das keine Freikarte: „Leadership wird von der Gruppe anerkannt“, sagt Fauma, „aber nicht auf Lebenszeit.“ Es bedarf laufender Gegenleistungen.

Besonders die nachrückende Generation ticke und handle aber anders. Sie prüfe sehr genau, ob und wer Leadership-Aufgaben wahrnehme. Und sie kümmere sich nicht um Status. Erscheine einem jungen Mitarbeiter dieser Generation sein Anliegen als wichtig, wolle er gleich einen Termin beim Vorstand, anstatt sich lang mit dem Dienstweg herumzuschlagen. Die Jungen gingen eben andere Wege, sagt Fauma. Das hänge auch mit ihrer Erziehung zusammen, schließlich wurde ihnen oft genug gesagt: Du kannst alles erreichen. Allerdings, lautet seine Vermutung, werden auch sie früher oder später vom Status – und von den Statussymbolen – eingeholt werden.

Auf einen Blick

„Sehen, was ist.“ Gemeinsam mit Elisabeth Oberzaucher, Professorin an der Uni Wien und bekannt aus den „Science Busters“, veranstaltet der Verhaltensbiologe, Präsentations- und Medientrainer Gregor Fauma am 15. Mai in Wien ein Seminar zum Thema „Status & Leadership“. Ziel ist, Führung aus der Perspektive der Verhaltensbiologie zu sehen und zu verstehen. Anmeldung unter: office@gregorfauma.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2018)