Olympia kann auch gerecht sein

Dass Österreichs Herren in Whistler keine Abfahrtsmedaille geholt haben, entspricht völlig der Papierform. Für Edelmetall hätten sie besser sein müssen, als sie tatsächlich sind.

Keine Medaille in der Herrenabfahrt, das ist schon lange kein Grund mehr, den Kopf hängen zu lassen. Die Zeiten der rot-weiß-roten Dominanz sind vorbei. Und eine Medaille wäre ein Glücksfall gewesen. Denn mit den Leistungen bei den Weltcuprennen hätte sie sich keiner „verdient“. Doch Olympia hat eben eigene Gesetze – und da darf man auch von Dingen träumen, die einem eigentlich gar nicht zustehen. Und da darf sich Mario Scheiber auch über sein Blech ärgern, auch wenn er im Weltcup einen vierten Platz mit Handkuss genommen hätte.

Letztendlich haben Österreichs Abfahrer das gebracht, was sie draufhaben. Und wenn alle Athleten abrufen, was sie können, werden wir bei diesen Spielen noch viel Freude haben.

Dass mit Didier Défago, Aksel Lund Svindal und Bode Miller drei alte Hasen auf dem Podest standen, bestätigt auch wieder ein altes Sprichwort: Olympische Spiele gewinnt man nicht nur mit einem schnellen Ski, sondern vor allem mit einem hellen Kopf.

Wie so oft bei Olympia handelte es sich auch in Whistler um eine Strecke, die nicht mit Kitzbühel oder Bormio zu vergleichen ist. Wer auf der Streif anfängt nachzudenken, der landet mit großer Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus. Bei Olympia geht es weniger um Kraft und Überwindung, sondern um Gelassenheit und Kaltschnäuzigkeit. Das zeichnet eben Typen wie Svindal und Miller aus. Die beiden werden in den kommenden Tagen noch schwer zu beachten sein.

Und Didier Défago? Er stand zwar lange Zeit im Schatten von Didier Cuche. Aber einer, der sowohl auf der Streif als auch bei Olympia siegen kann, der ist ein großer Champion.


gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2010)

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