Snowboard: Spaßabteilung wider Willen

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Auch die Snowboarder verpassen eine Medaille. Dabei hätten sie endlich zeigen wollen, dass sie ernsthaften, richtigen Sport machen – wie die Kollegen mit zwei Brettern.

Vancouver. Mario Fuchs war nachdenklich geworden. „Das waren meine letzten Spiele“, sagte der 33-jährige Salzburger und schaute niedergeschlagen in die Runde. Wenige Minuten zuvor war sein großer Traum geplatzt. Bis ins Halbfinale des Snowboard-Cross-Bewerbs waren er und Lukas Gruener gekommen. Dann kam für beide das jähe Ende. Während Gruener mit Rang sechs letztendlich zufrieden war und im Ziel bald wieder sein Lächeln fand, blieb Fuchs sentimental.

So souverän war er unterwegs gewesen. „Ich hab mich als Olympiasieger gesehen“, machte er kein Hehl aus seinen großen Ambitionen. Und dann ein einziger Fehler im Halbfinale. Fuchs strauchelt, klar in Führung liegend. Aus der Traum. „Es waren schwierige Bedingungen. Viele Löcher, diffuses Licht“, sagte er. „Ich kann mir keinen Vorwurf machen. Ich hab alles riskiert.“

Trotzdem: Während über die verpasste Medaille der Abfahrer noch Tage lang diskutiert werden wird, geht das Aus der Boarder zu nächtlicher Stunde wohl wieder als Randnotiz unter. Dabei ist Snowboard-Cross nicht nur ein packender Wettkampf. Es ist harter und echter Sport. Das müssen die Boarder leider immer wieder extra dazusagen. Schließlich gelten sie landläufig nach wie vor als die Spaßabteilung im ÖSV, wird ihre Disziplin mehr als Show und weniger als Leistungssport angesehen.

Gesetz unter Teamkollegen

Zu Unrecht. Dass es hier ordentlich zur Sache geht, zeigen nicht nur die fünf gebrochenen Rippen des Weltmeisters Markus Schairer. Dass er seine Medaillenhoffnungen rasch begraben musste, hing zum einen an seiner Verletzung. Zum anderen aber auch an der unglücklichen Fügung, dass alle drei Österreicher gleich im Achtelfinale gegeneinander antreten mussten. Schairer verschlief den Start, und als die beiden Landsleute vorn waren, attackierte er nicht mehr. „Das ist ein unausgesprochenes Gesetz unter Teamkollegen“, sagt der 22-jährige Vorarlberger, der noch die einen oder anderen Winterspiele vor sich hat.

Am Ende gewannen die, die bei großen Snowboard-Events meist gewinnen: die Amerikaner und Kanadier. Gold ging an Seth Wescott. Der US-Boy holte nach Turin sein zweites Olympiagold. Er setze sich knapp gegen den Kanadier Mike Robertson durch. Bronze errang der Franzose Tony Ramoin. Und es verwundert nicht, dass die Snowboarder in den USA und in Kanada keineswegs im Schatten der alpinen Rennläufer stehen.

Auch der ÖSV investierte in jüngster Zeit Geld und Energie in die Boarder. Diese Investments müssen sich irgendwann auch in harter, olympischer Währung bezahlt machen. Für ÖSV-Koordinator Christian Galler haben die Crosser zwar eine große Chance verpasst. Aber seine Schützlinge, denen er zwei „nicht bronzene Medaillen“ zutraut, stehen bei ihm weiterhin hoch im Kurs. Vor allem in den Parallelriesentorläufen stehen die Aktien gut.

„Das war eine Riesenwerbung für den Sport. Alle drei haben sich teuer und gut verkauft. Dass wir das große Finale verpasst haben, ist natürlich ein grober Schönheitsfehler“, sagte Galler.

Aber abgerechnet wird am Schluss. Und wenn die Kassa stimmt, dann dürfen richtige Spitzensportler auch richtig Party machen...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2010)

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