Die Tirolerin Nina Reithmayer verhinderte im Rodel-Einsitzer einen deutschen Doppelsieg. Ihr Cheftrainer ortet bei der 25-Jährigen noch mehr Potenzial.
Nina Reithmayer hat mit einem enormen Glauben an ihr Ziel und auch an sich selbst die Überraschung geschafft. Die 25-jährige Tirolerin holte am Dienstag Silber im Rodel-Einsitzer und hat damit dem österreichischen Rodelverband nicht nur die insgesamt 17. Olympia-Medaille beschert, sondern auch den Doppelsitzern vor dem abschließenden Bewerb am heutigen Mittwoch einiges an Druck genommen.
Dass die im Weltcup nie besser als auf Rang 3 platzierte Reithmayer sogar die Vormacht der deutschen Rodlerinnen durchbrechen würde, damit hatte niemand wirklich gerechnet. Den Olympiasieg von Tatjana Hüfner konnte die auch schon nach dem ersten Tag auf Platz zwei gelegene Tirolerin zwar nicht verhindern, wohl aber den Angriff von Natalie Geisenberger abwehren.
"Es hat sich gelohnt."
"Ich glaube, das ist schon sehr hart, zwischen die Deutschen reinzufahren. Sie sind sehr gut auf der Bahn, sind athletisch gewaltig beieinander", meinte Reithmayer, die natürlich auch im Österreich-Haus, gemeinsam mit dem silbernen Biathleten Christoph Sumann, stürmisch gefeiert wurde. "Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenn man sieht, dass das Training im Sommer gefruchtet hat." Noch härter als zuvor habe sie trainiert, außerdem hat sie sowohl bei der Leichtathletik als auch im Kraftraum Umstellungen vorgenommen. "Es war hammermäßig, was ich meinem Körper abverlangt habe, aber es hat sich gelohnt."
Reithmayer wusste um ihre Chance und wohl auch Sportdirektor Markus Prock, der ihr kaum von der Seite gewichen ist und sie auch beruhigt hat. "Ich habe die Medaille gerochen und die wollte ich auf gar keinen Fall hergeben. Da habe ich schon fast zugebissen gehabt, muss ich sagen!", sagt die Tirolerin lachend.
Knopf muss noch weiter aufgehen
Durchaus möglich, dass man in Zukunft noch mehr von ihr hören wird. Nicht nur Cheftrainer Rene Friedl ortet bei der EM-Bronzenen von Sigulda noch weiteres Potenzial und traut ihr gar zu, die Deutschen auch schlagen zu können. "Der Knopf muss noch weiter aufgehen, dass ich wirklich sehe, was ich drauf habe. Ich glaube, die Trainer haben es schon gesehen, nur ich habe es noch nicht ganz realisiert." Grundsätzlich habe sie sich in Whistler auf dem Schlitten pudelwohl wie lange nicht und sich eins mit ihrem Gerät gefühlt.
Überrascht hat sie die emotionale Reaktion ihres Freundes Matthias Guggenberger, der sie völlig aufgelöst und verweint umarmte. Sie wird ihm im Skeletonbewerb freilich auch die Daumen drücken. "Ich weiß, dass er super drauf ist. Ich habe heute zu ihm schon gesagt, dass ich die Bahn schon für ihn aufgewärmt habe."
(APA)