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Salzburger Festspiele: Von der Komödie bis zum Thriller

Franz Welser-Möst dirigiert die Neuproduktion von Richard Strauss‘ „Salome“.
Franz Welser-Möst dirigiert die Neuproduktion von Richard Strauss‘ „Salome“.(c) Michael Poehn
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Heuer wird etwa Richard Strauss' "Salome" nach Oscar Wilde einstudiert. Die Opern der Salzburger Festspiele reichen von den Urgründen bis zur Gegenwart.

Gleich zu Beginn der Operngeschichte bewies Monteverdis „Krönung der Poppea“ (mit Sonya Yoncheva), dass das Theater eine zutiefst unmoralische Anstalt sein kann, in der Ehebruch, Skrupellosigkeit und Machtmissbrauch künstlerisch veredelt werden. Auch das Hohelied der Perversion wird hie und da gesungen – in Richard Strauss’„Salome“ nach Oscar Wilde zum Beispiel, die heuer von Franz Welser-Möst in einer Neuinszenierung durch Romeo Castellucci einstudiert wird. Asmik Grigorian debütiert in der Titelpartie.

Jean-Christophe Spinosi. Der Franzose leitet Rossinis „Italienerin in Algier“ (mit C. Bartoli)
Jean-Christophe Spinosi. Der Franzose leitet Rossinis „Italienerin in Algier“ (mit C. Bartoli)(c) Didier Olivré

Bruno Ganz als Märchenerzähler. Eines der größten Rätsel der Operngeschichte formulierten 1791 Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadé Mozart mit ihrer „Zauberflöte“. Kinder finden sich nach wie vor mühelos in die Geschichte, die Erwachsenen, je besser sie sie zu kennen glauben, immer verwirrter vorkommt – bis man nach langer Beschäftigung gar nichts mehr „verstehen“, nur noch „ahnen“ will, welche Wahrheiten hier besungen werden. Tatsächlich bedarf es keiner wortreichen Erklärungen, um von Paminas g-Moll-Arie tief berührt zu werden . . .

Und doch werden in diesem Stück, das auf der Tradition der wienerischen Vorstadt-Stegreifkomödie beruht, so viele Worte gemacht. Oder nicht – je nachdem, wie sehr sich die Inszenierung am Libretto orientiert. Für die Festspiele hat Regisseurin Lydia Steiner eine neue „Zauberflöten“-Version erarbeiten lassen, in der Bruno Ganz die Rolle des Märchenerzählers übernehmen wird, der uns durchs Dickicht des aparten Gewebes aus Volksstück und Mysterienspiel führt!

Mariss Jansons. Er dirigiert Hans Neuenfels‘ Inszenierung von Tschaikovskys „Pique Dame“.
Mariss Jansons. Er dirigiert Hans Neuenfels‘ Inszenierung von Tschaikovskys „Pique Dame“.(c) Marco Borggreve

Komödie pur verspricht die Übernahme der Pfingstproduktion von Rossinis „Italienerin in Algier“ mit Cecilia Bartoli. Eine Art programmierte Erholungspause zwischen den Psycho-Krimis des restlichen Programms. Reißt doch auch Tschaikowskys „Pique Dame“, von Hans Neuenfels inszeniert und von einem Lieblingsdirigienten der Wiener Philharmoniker, Mariss Jansons geleitet, Abgründe der menschlichen Seele auf; nicht minder die Euripides-Adaption von Wystan H. Auden, die Hans Werner Henze 1966 für Salzburg in Musik gesetzt hat: Den „Bassariden“ galt eine der spektakulärsten Uraufführungen der Festspielgeschichte: Mutter zerreißt Sohn im bacchantischen Rausch . . .

Constantinos Carydis. Der Grieche dirigiert Mozarts „Zauberflöte“ (mit Adam Plachetka, ab
Constantinos Carydis. Der Grieche dirigiert Mozarts „Zauberflöte“ (mit Adam Plachetka, ab(c) Thomas Brill

Intendant Markus Hinterhäuser bat Regisseur Krzysz­tof Warlikowski und Dirigent Kent Nagano, zu untersuchen, wie aktuell dieses Stück geblieben ist. Man spielt die ungekürzte Fassung dieser einaktigen, fast zweieinhalbstündigen Opernsymphonie“, das spielerische „Intermezzo“ namens „Das Urteil der Kalliope“ inbegriffen; allerdings singen die „Bassariden“ erstmals Audens englischsprachigen Originaltext.
Eine weitere Wiederaufnahme einer einstigen Salzburger Uraufführung führt den Reigen der konzertanten Opern an: Gottfried von Einems Kafka-Vertonung „Der Prozess“, dirigiert von HK Gruber, der Einems Schüler war. Für Melomanen gibt es als klangschwelgerisches Finale überdies Georges Bizets melodienselige „Perlenfischer“ mit Aida Garifullina, Javier Caramerna und Plácido Domingo.

Tipp

Richard Strauss „Salome“, Franz Welser-Möst dirigiert, Romeo Castellucci inszeniert, Asmik Grigorian singt die Salome, ab 28. Juli.

Mozarts „Zauberflöte“. ­Constantinos Carydis (Dirigent), Lydia Steier (Regie), mit Bruno Ganz als Erzähler, Matthias Goerne als Sarastro, Premiere: 27. Juli, 19 Uhr.
www.salzburgfestival.at

Alle Infos zum Programm der Salzburger Festspiele gibt es hier!

("Die Presse", Kulturmagazin, 13.04.2018)