Der Konzern soll neu aufgestellt werden. Neben dem Umbau stand der Chefwechsel auf der Agenda der gestrigen Aufsichtsratssitzung.
Wien/Wolfsburg. Dem VW-Konzern steht der größte Umbau seiner Geschichte ins Haus. Am gestrigen Mittwoch tagte deshalb der Aufsichtsrat. Auf der Agenda stand auch eine wichtige Personalrochade: Matthias Müller, der vor nicht einmal drei Jahren als Retter in der Not nach Wolfsburg geholt wurde, soll wie berichtet abgelöst werden. Nachfolger soll der bisherige VW-Markenmanager und frühere BMW-Vorstand Herbert Diess werden. Das war zu Redaktionsschluss noch nicht offiziell bestätigt.
Der geplante Chefwechsel sorgte für Ärger im Konzern. Vor allem die Betriebsräte sind verärgert. Es heißt, die Arbeitnehmerseite sei weitgehend nicht eingebunden gewesen. „Keiner wusste was. Das ist der helle Wahnsinn, was sich da abspielt“, sagte ein Insider. Laut „Handelsblatt“ fühlten sich auch einige Konzernvorstände vor den Kopf gestoßen. „Die Art und Weise, wie der Wechsel verkündet wurde, ist unsäglich“, zitierte die Zeitung einen Manager. Müller dürfte VW bis Ende 2020 erhalten bleiben. So lange läuft sein Vertrag. Die Abfindung wäre so hoch, dass eine vorzeitige Auflösung Insidern zufolge keinen Sinn machen würde. Im Vorjahr verdiente Müller gut zehn Mio. Euro.
Die Aufsichtsratssitzung war für 16 Uhr anberaumt. Involvierte Personen berichteten, dass der künftige Konzernchef Diess „mit riesiger Macht ausgestattet“ werden solle. Der Konzern will seine zwölf Fahrzeug-Marken in drei Gruppen umsortieren. Herr über den umsatzstärksten Bereich – die Volumenmarken VW, Skoda und Seat – soll der neue Mann an der Konzernspitze werden.
Börsengang der Lkw-Sparte?
Aus Aufsichtsratskreisen hieß es außerdem, dass die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge im VW-Konzern ihren Sitz von Braunschweig nach München verlegen könnte. Zur Sparte gehören die schwedische Marke Scania, der Lkw- und Busbauer MAN und dessen brasilianische Tochter. Der Schritt dürfte auch in Zusammenhang mit einem möglichen Börsengang der Volkswagen Truck & Bus GmbH stehen, der Teil des großen Konzernumbaus sein könnte. Die MAN sitzt bereits in München. Die leichten Nutzfahrzeuge (Caddy, Transporter, Crafter, Amarok) des weltgrößten Autobauers sitzen in Hannover, könnten aber auch in eine größere Nutzfahrzeug-Gruppe eingegliedert werden.
Die Volkswagen-Aktie lag am Donnerstagnachmittag mit rund zwei Prozent im Plus. (ag./red.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2018)