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Filmtipps

Von Sci-Fi-Philosophie bis Realsatire: Die besten Eigenproduktionen von Netflix und Amazon

Natalie Portman
Natalie Portman stößt in "Auslöschung" auf Absonderliches.Netflix

Nicht nur im Serien-, auch im Filmbereich sorgen Netflix und Amazon mit markanten Eigenproduktionen und Akquisen für Aufruhr. Fünf Empfehlungen aus der Privatkollektion der Streamingdienste.

Auslöschung

Von Alex Garland, 2018
Zu sehen auf Netflix

Manche feiern Netflix als Retter des filmischen Mittelbaus: Während die großen Studios nur mehr spottbillige Genrekonfektionen oder elefantös budgetierte Blockbuster vom Stapel lassen, sei Netflix offen für Experimente. Kritiker sehen in ihm hingegen einen Raubfisch, der den Kinos ihre besten Filme wegfrisst. Aus diesem Grund wurde die Entscheidung Paramounts, Alex Garlands „Auslöschung“ außerhalb der USA an Netflix abzutreten, ambivalent aufgenommen. Zwar hätten mehr Menschen die Möglichkeit, den Film zu sehen – aber nicht so, wie vom Regisseur erwünscht. Und es sei ein Armutszeugnis für die Kinolandschaft, wenn anspruchsvolle Filme aus Angst vor finanziellen Einbußen im Internetregal verschwinden.

Ob die Aufregung gerechtfertigt ist, davon kann man sich in Österreich nur auf Netflix überzeugen. „Auslöschung“ ist fraglos ein unkonventionelles Werk, als philosophisches Sci-Fi-Drama wandelt es auf den Spuren von Kubrick und Tarkowski: Eine Biologin (Natalie Portman) wagt sich mit vier anderen Forscherinnen in eine stetig expandierende Phantomzone, wo Absonderliches vonstattengeht – und macht dort Erfahrungen, die an den Grundfesten ihres Menschseins rütteln. Faszinierend, verstörend und schön.

War Machine

Von David Michôd, 2017
Zu sehen auf Netflix

Mit seiner 2010 im „Rolling Stone“ veröffentlichten Reportage über Stanley McChrystal, den frischgebackenen Befehlshaber der sieglos gebliebenen Mission in Afghanistan, hatte der US-Journalist Michael Hastings für dessen Entlassung gesorgt. McChrystal war dumm genug gewesen, in Anwesenheit von Hastings über seinen Arbeitgeber im Weißen Haus zu lästern. Ein Jahr später folgte mit „The Operators“ eine zum Sachbuch erweiterte Beschreibung seiner Zeit mit dem General und dessen Widersachern, die wie eine Realsatire anmutete. Hastings nahm nicht nur die selbstgerechten Ideale der Interventionisten im Land ins Visier, sondern ebenso die inkonsequente Haltung der Obama-Administration in puncto Auslandseinsätze.

Brad Pitt, der sich die Rechte an dem Bestseller sicherte und den sturen Kriegstreiber zu spielen anbot, veranschlagte für die filmische Adaption die stattliche Summe von 60 Millionen Dollar. Als die Produzenten kalte Füße bekamen, sprang Netflix in die Bresche. Dadurch konnte „War Machine“ so kauzig, kritisch und unpatriotisch werden wie amerikanische Big-Budget-Kriegsfilme sonst nur selten sind. Wenigstens im Filmgeschäft können Interventionen noch gelingen.

Raw

Von Julia Ducournau, 2016
Zu sehen auf Amazon

Hin und wieder kommt es vor, dass Festivalperlen ihren Weg auf Streamingplattformen finden. Beispielsweise „Raw“ von Julia Ducournau, der letzten Herbst auf der Viennale lief. Die französisch-belgische Koproduktion bietet eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Story mit Horroreinschlag: Eine junge, streng vegetarische Frau beginnt ihre Ausbildung an einer prestigeträchtigen Uni für Veterinärmedizin, wo auch ihre Schwester studiert – und zum Teil recht heftige Initiationsrituale an der Tagesordnung stehen. Diese wecken eine ungeahnte Fleischeslust in der Erstsemestrigen, die bald jedes gesunde Maß übersteigt. Ein blutiger, bissiger und kluger Film über Sexualität, Geschwisterneid und Kaninchennieren.

Chi-Raq

Von Spike Lee, 2015
Zu sehen auf Amazon

Mit seiner ersten Eigenproduktion wollte Amazon ein Zeichen setzen: Wir unterstützen unabhängiges und politisches Kino, das sich andere nicht anzupacken trauen. Dass die Wahl auf ein Projekt des afroamerikanischen Regiequerkopfs Spike Lee fiel, überrascht nicht. „Chi-Raq“ ist definitiv politisch – und selbst für Lees Verhältnisse exzentrisch: Eine freie Adaption der Aristophanes-Komödie „Lysistrata“, verlegt ins moderne Chicago (daher der Titel), mit Musicalelementen und Dialogen in Versform. Die Frauen schwarzer Gangmitglieder entschließen sich, ihren Männern das Bett zu verweigern, solange diese Gewalt säen. Samuel L. Jackson gibt den Erzähler, Wesley Snipes einen Bandenführer.

The Meyerowitz Stories

Von Noah Baumbach, 2017
Zu sehen Netflix

Ausgerechnet eine kleine Tragikomödie über eine dysfunktionale Künstlerfamilie hat 2017 mit dafür gesorgt, dass Leinwandliebhaber gegen die Aufnahme von Netflix-Eigenproduktionen in den Wettbewerb von Cannes protestierten. Danach verkündete die Festivalleitung, in Zukunft keine Werke mehr um die Palme rittern zu lassen, die bloß für die Betrachtung am kleinen Bildschirm bestimmt sind. Dabei hat „The Meyerowitz Stories“ von Sinnkrisenspezialist Noah Baumbach die gigantische Abspielfläche überhaupt nicht nötig. Das verschmitzte Episodenkarussell mit Adam Sandler, Ben Stiller und Dustin Hoffman entfaltet seine subtile Melancholie sogar eher, wenn man es sich daheim und allein anschaut.

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