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Vamed-Konzern will AUVA-Spitäler nicht übernehmen

Vamed-Chef Ernst Wastler will bis 2020 die Präsenz auf 100 Länder ausbauen.
Vamed-Chef Ernst Wastler will bis 2020 die Präsenz auf 100 Länder ausbauen.Vamed AG/APA-Fotoservice/Schedl
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In der Akutversorgung ist es in Österreich nicht möglich, Geld zu verdienen.

Wien. Fast bei jedem Staatsbesuch von Spitzenpolitikern im Ausland sind Manager des österreichischen Gesundheitskonzerns Vamed dabei – wie diese Woche in China. In Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) unterzeichneten Vertreter von Vamed ein „Memorandum of Understanding“ – Ziel ist die Entwicklung von Krankenhäusern in China. Kaum ein anderer österreichischer Konzern ist in so vielen ausländischen Märkten vertreten wie Vamed.

Allein im Vorjahr erfolgte der Einstieg in fünf neue Länder: Dänemark, Spanien, Sambia, Äquatorialguinea und Nepal. Wie Vamed-Chef Ernst Wastler am Freitag bei der Präsentation der Vorjahreszahlen ankündigte, will er bis 2020 die globale Präsenz von derzeit 84 auf 100 Länder ausbauen. Im Vorjahr steigerte Vamed den Umsatz um sechs Prozent auf 1,228 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss kletterte um elf Prozent auf 51 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich um 700 auf 18.000 Beschäftigte, wovon 6000 in Österreich tätig sind. Angesichts der Diskussionen über die Abschaffung der Unfallversicherung AUVA stellt sich die Frage, ob Vamed an der Übernahme der AUVA-Spitäler (wie das Wiener Lorenz-Böhler-Krankenhaus und das Unfallkrankenhaus Meidling) interessiert ist.

Hier kam von Wastler eine klare Absage. Denn das österreichische Erstattungssystem lasse es – im Gegensatz zum deutschen – nicht zu, in der Akutversorgung Gewinne zu erwirtschaften. Falls in Österreich ähnliche Erstattungsvoraussetzungen wie in Deutschland geschaffen werden, würden laut Wastler „in kürzester Zeit“ europäische Gesundheitsdienstleister nach Österreich kommen. Laut Wastler sei es eine Grundsatzentscheidung eines Staates, ob man die Gesundheitsversorgung in gewissen Bereichen ausschließlich der öffentlichen Hand überlassen möchte oder ob man auch private Anbieter haben wolle.

Vamed ist mit der Errichtung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) groß geworden und gilt als Paradebeispiel für eine geglückte Privatisierung. Vamed zeigt auch, dass private Konzerne im Gesundheitssektor erfolgreich sind. Vamed plant, errichtet und betreibt Gesundheitseinrichtungen weltweit. Das Portfolio reicht von Krankenhäusern über Strahlentherapie-Zentren und Laboreinrichtungen bis hin zu Thermen und Reha-Einrichtungen.

 

Größte private Reha-Anbieter

Die Therme Wien, die größte Stadttherme Europas, an der Vamed beteiligt ist, verzeichnete im Vorjahr laut Wastler einen „gewaltigen Schub“ bei den Besuchern. Denn die Therme ist seit Herbst direkt mit der U-Bahn erreichbar. Damit stieg die Zahl der Besucher auf 750.000 pro Jahr. Im Bundesland Salzburg baute Vamed das erste Krebs-Rehabilitationszentrum für Kinder und deren Familien. „Damit sind wir der größte private Reha-Anbieter in Österreich“, so Wastler.

Im Dienstleistungsgeschäft betreut Vamed weltweit 670 Gesundheitseinrichtungen mit rund 153.000 Betten – das sind mehr als alle Krankenhausbetten in Österreich und in der Schweiz zusammen. Vamed gehörte ursprünglich zu 100 Prozent dem Staat. 1996 wurde die Mehrheit an den deutschen Konzern Fresenius, der an der Börse notiert, verkauft. Auch nach dem Eigentümerwechsel blieb der Firmensitz in Wien. Der österreichische Staat ist aber weiterhin mit 13 Prozent an Vamed beteiligt. Die Staatsbeteiligung dient Vamed in vielen ausländischen Märkten (wie in China und im arabischen Raum) als Türöffner. Vom Umsatz entfallen 72 Prozent auf Europa, gefolgt von 16 Prozent in der Region Asien-Pazifik. Ein Hoffnungsmarkt ist Afrika, wo derzeit acht Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden. Der Rest entfällt auf Lateinamerika.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2018)