Die Schulden Osteuropas liegen nur knapp über den 300 Milliarden Euro, mit denen Griechenland verschuldet ist. Die Länder Osteuropas haben ihre Schulden im Vergleich zu Westeuropa kaum im Ausland.
Die osteuropäischen Staaten erwarten heuer keine Probleme bei der Refinanzierung ihrer Staatsschulden, auch weil ihre Verschuldung im Vergleich mit Westeuropa noch immer relativ gering ist. Nach Schätzungen des Erste Group-Analysten Juraj Kotian belaufen sich die Staatsschulden Ungarns, Tschechiens, Polens, der Slowakei, Rumäniens und Kroatiens, die zusammen rund 90 Millionen Einwohner haben, auf insgesamt 347 Milliarden Euro.
Die Schulden Osteuropas liegen damit knapp über den 300 Milliarden Euro, die für das 11,17 Millionen Einwohner zählende Griechenland veranschlagt werden. Der Spitzenreiter bei der Verschuldung in der Eurozone ist Italien mit geschätzten 1757 Milliarden. Der Erste Group-Experte unterstrich, dass die Länder Mittel- und Osteuropas (CEE-Länder) mit den Anti-Krisenmaßnahmen früher als die Länder der Eurozone begonnen hätten.
Liquiditätsüberschuss in Osteuropa
Trotz der Wirtschaftskrise ortet Kotian einen Liquiditätsüberschuss in der CEE-Region, der heuer für einen Rückgang bei den Zinsaufschlägen für Staatsanleihen sorgen könnte. Im Fall Rumäniens wird mit einem Rückgang um 1,5 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent gerechnet. Außerdem erwartet er, dass die Banken in Osteuropa aufgrund des gedämpften Kreditwachstums in der Region große Anteile der Einlagenzuwächse in Staatspapiere investieren.
Dies könnte rund ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dieser Länder erreichen. Außerdem könnten andere institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds bis zu zwei Prozent des BIP in Staatsanleihen investieren.
Ausweitung der Eurozone schwierig
Die Ausweitung der Eurozone auf die CEE-Staaten dürfte sich schwieriger als bisher gestalten. Die Euro-Einführung in den Ländern Mittel- und Osteuropas wird sich nach Einschätzung von Kotian auf frühestens 2015/16 verschieben.
Kotian erwartet strengere Regelungen bei der Erfüllung der Maastricht-Kriterien, etwa dass die Vorgaben über einen längeren Zeitraum erfüllt werden müssten. Dazu komme, dass aufgrund der Wirtschaftskrise hohe Budgetdefizite unter die 3-Prozent-Grenze gedrückt werden müssen. Dies bedeute etwa für Polen und Rumänien, die den Beitritt zum Euro bis 2012 anstreben, dass die Budgetdefizite ausgehend vom Vorjahr pro Jahr um zwei Prozentpunkte gesenkt werden müssten.
CEE relativ gering im Ausland verschuldet
Einen Vorteil der CEE-Region im Vergleich mit Westeuropa ortet Kotian auch bei der Struktur der Staatsschulden. Während bei den meisten westeuropäischen Ländern der Anteil der ausländischen Geldgeber relativ hoch ist und damit auch die Wahrscheinlichkeit eines "raschen Abverkaufs", seien die CEE-Staaten noch immer relativ gering im Ausland verschuldet.
So entfällt bei dem am meisten verschuldeten CEE-Staat Ungarn, das mit Staatsschulden von knapp 80 Prozent des BIP bereits beim Durchschnitt der Eurozone angelangt ist, nur rund ein Viertel davon auf ausländische Geldgeber.
Österreich: 50 Prozent der Schulden im Ausland
Zum Vergleich: Bei Österreich ist es die Hälfte des Staatsschulden, die auf knapp 70 Prozent des BIP angewachsen sind. Am meisten im Ausland verschuldet ist Griechenland mit 86 Prozent des BIP.
(APA)