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Argentinien/Grossbritannien: Öl löst neuen Konflikt im Südatlantik aus

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Schiffe, die die britischen Falklandinseln anlaufen, brauchen künftig argentinische Genehmigung. Die Falklandinseln wurden 1833 von britischen Marinesoldaten im Handstreich besetzt.

BUENOS AIRES/LONDON. 1982 rettete der Sieg im Krieg um die Falklandinseln vor der Südspitze Südamerikas die britische Premierministerin Margaret Thatcher aus dem Stimmungstief. Kann heute Premier Gordon Brown kurz vor der Neuwahl auf eine ähnliche Welle patriotischer Aufwallung hoffen?

Grund: Argentiniens Führung sorgt mit einem Erlass für große Empörung in Britannien. Ab sofort sollen alle Schiffe, die die Inselgruppe mit ihren etwa 3000 Einwohnern anlaufen, zuvor von den argentinischen Behörden eine Genehmigung fürs Durchfahren der umliegenden Gewässer einholen. Trotz der Niederlage von 1982 hat Argentinien seinen angeblichen historischen Anspruch auf die Inseln nie aufgegeben.

Der Hintergrund für die Verschärfung der Tonart zwischen Argentinien und Großbritannien, die 1982 den bisher letzten Krieg zwischen westlichen Staaten ausgefochten haben, ist profan: Öl. Nahe der Inseln starten demnächst Probebohrungen. Eine Bohrplattform ist auf dem Weg von Schottland und soll in den nächsten Tagen eintreffen.

 

„Falkland Fever“ an der Börse

Die Ölvorkommen im Meeresgrund um die Inseln werden auf 60 Milliarden Barrel geschätzt (Vergleich: Die saudischen Reserven werden mit 260 Milliarden Barrel angesetzt). Die Förderung war aufgrund der Meerestiefe bisher unrentabel und wurde erst durch die höheren Ölpreise interessant.

Den Falkländern, die in den letzten Jahren sehr viel Geld durch die Vergabe von Fischereilizenzen an meist asiatische Firmen verdienten, wird durchs Öl sagenhafter Reichtum prognostiziert; auf einen Teil davon hofft die britische Regierung. An der Londoner Börse herrscht seit Wochen „Falkland Fever“.

Das britische Außenministerium erklärte am Donnerstag, das Dekret der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner habe keine Rechtswirkung, weil es sich bei den Gewässern um die Inseln um internationale Gewässer handle. Die nahen Küstengewässer der Falklandinseln, von Argentinien „Islas Malvinas“ genannt, würden weiter von den lokalen Behörden kontrolliert.

Das Verteidigungsministerium in London ergänzte, man schütze das Überseeterritorium durch die „Abschreckungspräsenz aus Land-, Luft- und Seestreitkräften“. Die Garnison vor Ort besteht aus rund 1700 Soldaten samt Eurofighter-Kampfjets und Kriegsschiffen. Im Südatlantik ist auch meist ein britisches Atom-U-Boot stationiert. Ein Bericht der Tageszeitung „The Sun“, wonach Verstärkung auf dem Weg sei, wurde vorerst nicht bestätigt.

 

Hundertprozentige Briten

Die Falklandinseln, auf denen weitaus mehr Schafe und Pinguine als Menschen leben, wurden 1833 von britischen Marinesoldaten im Handstreich besetzt; zuvor hatten auch Frankreich, Spanien und der Vorgängerstaat des späteren Argentinien, die „Vereinigten Provinzen des Río de la Plata“, Ansprüche auf den kahlen, windumtosten Archipel erhoben.

Jenem Argentiniens steht freilich der Wunsch der Insulaner gegenüber, die sich wiederholt zu 100 Prozent für einen Verbleib bei London ausgesprochen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2010)