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Interview

Akademietheater: Hat Wolfgang Bauer den Klimawandel erahnt?

„Der Rüssel“ wird von Regisseur Christian Stückl gestrafft: „Es fehlt dem Text die letzte Hand.“
„Der Rüssel“ wird von Regisseur Christian Stückl gestrafft: „Es fehlt dem Text die letzte Hand.“(c) Reinhard Maximilian Werner
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Vor der Uraufführung. Regisseur Christian Stückl reizt das Volkstheater-Setting in „Der Rüssel“, einem Frühwerk des Grazer Dichters. Die Hitze, das Fremde und die Dorfpolitik wirkten verblüffend aktuell.

Die Presse: Sie inszenieren am Akademietheater die Uraufführung von Wolfgang Bauers „Der Rüssel“. Der Grazer Autor ist 2005 gestorben, dieses 1962 verfasste Drama tauchte erst 2015 in einem Nachlass wieder auf. Wie nähern Sie sich einem Text, den ein junger Mann Anfang 20 vor mehr als einem halben Jahrhundert offenbar vergessen hat?

Christian Stückl:
Ich bin Uraufführungen vom Volkstheater in München gewöhnt. Wenn es Unklarheiten gibt, kann man den Dramatiker aber in der Regel kontaktieren. Mit Wolfgang Bauer kannst du nicht mehr reden, es ist also so, als ob man ein Shakespeare-Drama inszeniert. „Der Rüssel“ wurde zudem nicht lektoriert, es ist eine Rohfassung. Manches verblüfft. Wenn es um die Hitze in Afrika geht, glaubt man fast, Bauer habe den Klimawandel vorweggenommen. Man liest das Neue einfach hinein, zum Beispiel über das Fremde. Sofort denkt man an die Flüchtlingskrise oder an das Willkommen – wenn es dem Tourismus dient.