Kommentar

Geburtstag unter schlechtem Stern

Israel hätte allen Grund, seinen 70. Geburtstag gebührend zu zelebrieren.

Das Land, unter großen Opfern einer feindlichen Umwelt abgerungen, ist die große Erfolgsgeschichte im Nahen Osten.

Doch die Feiern stehen unter keinem guten Stern – was am wenigsten mit der Verwirrung um den tatsächlichen Geburtstag zu tun hat. Gemäß hebräischem Kalender begeht Israel den Jahrestag der Proklamation des Judenstaats am 14. Mai 1948 schon dieser Tage, fast vier Wochen vor dem eigentlichen Datum. Die pompöse Geburtstagsparty findet vor der Kulisse der Proteste der Palästinenser im Gazastreifen, einer Gewaltdebatte um die israelische Armee und der Angst vor einer Eskalation des Syrien-Kriegs statt.

Dass in Israel im Vorfeld ein bitterer Zank über die Feiern ausgebrochen ist, bildet indessen nur die Polarisierung im Land ab, in dem Premier Benjamin Netanjahu wegen Korruption am Pranger steht. Darüber, wer wie lang in der Knesset reden darf, ist ein giftiger Streit bis zum Boykott entbrannt.

Ausländische Staats- und Regierungschefs wurden ein- und dann wieder ausgeladen. Was sich rund um den 14. Mai abspielen wird, die symbolhafte Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, steht in den Sternen. Israels Generation der Staatsgründer hätte sich ein würdigeres Ambiente verdient.

thomas.vieregge@diepresse.com