Die Korruptions-Staatsanwaltschaft prüft die Vorgänge um die angeblichen Bestechungsversuche der Firma Steyr Daimler Puch in Tschechien. Vor allem der Vertrag mit einem Lobbyisten für den Pandur II sei interessant.
Für die Affäre um den Verkauf von 107 Pandur-II-Radpanzer an das tschechische Heer durch die österreichische Firma Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) haben sich nun auch die österreichischen Ermittlungsbehörden zu interessieren begonnen. Wie die tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" berichtet, hätten die Behörden nur ein Paar Stunden" nach Veröffentlichung der Informationen über mögliche Korruption bei der Auftragsvergabe die Redaktion des Blattes um die Beweise ersucht.
Die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien bestätigte am Freitag, dass sie die Causa derzeit prüft. Es werde auch das Material untersucht, das die Zeitung vorliegen habe, sagte Sprecher Friedrich Koenig. Mehr könne man derzeit nicht dazu sagen.
Lobbyistenvertrag im Fokus
Die Ermittler seien vor allem an dem Vertrag zwischen dem ehemaligen Chef von Steyr, Hans Michael Malzacher, und dem Lobbyisten Jan Vlcek interessiert gewesen. Außerdem hätten sie die von einem Journalisten heimlich gemachten Videoaufnahmen der Aussagen von zwei ehemaligen Steyr-Managern, Wolfgang Habitzl und Herwig Jedlaucnik, angefordert. In dem Video sollen die beiden Österreicher das System der Provisionen beschrieben haben, das die Transaktion angeblich begleitet habe.
Die beiden Manager bezeichneten das Gespräch als "Scherz". Sie hätten bereits vorher von seinen Recherchen gewusst und im Gespräch auch Namen von damals gar nicht aktiven Politikern genannt.
Auch tschechische Behörden ermitteln
Die von einem Undercover-Journalisten aufgenommenen Gespräche mit Habitzl und Jedlaucnik waren am gestrigen Donnerstag von "Mlada fronta Dnes" veröffentlicht worden. Die beiden Ex-Manager hatten daraufhin in einer Erklärung gegenüber der APA behauptet, es habe sich bloß um einen "bitterbösen Scherz" ihrerseits gehandelt, mit dem sie den Journalisten "aufs Glatteis führen wollten". Das Blatt beharrt allerdings auf seiner Darstellung.
Die tschechische Antikorruptions-Polizei war mit der Panzerwagen-Transaktion bereits vor vier Jahren befasst - aufgrund einer Klage der finnischen Firma Patria, die Steyr-Konkurrent war und darauf hinwies, dass die Panzerwagen von Steyr überteuert seien. Später wurde die Sache an die militärische Polizei übergeben. Dabei wurden keine Unkorrektheiten festgestellt und niemand wurde beschuldigt.
(APA/Red)