Wieso man sich einen Marathon antut

Nach dem Massenstart wird die Wiener Reichsbrücke überquert.
Nach dem Massenstart wird die Wiener Reichsbrücke überquert.APA/HERBERT NEUBAUER
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Wenn am Wochenende 40.000 Menschen durch Wien laufen, kollidiert Individualität mit Herdentrieb. Doch das hat gute Gründe. Und ist psychologisch erklärbar.

Wien. Man ist nur eine (Start-)Nummer. Man läuft in einer anonymen, viel zu großen Herde, pardon: Masse. Und 42,195 Kilometer sind verdammt viel, noch dazu, wenn man ein ungemütlich hohes Wettkampftempo anschlägt. Wieso bitte – vom monatelangen Training ganz zu schweigen – tut man sich das an? Fünf Gründe, warum Menschen einen Marathon laufen.

1. Das Grundbedürfnis. „Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft.“ Der tiefere Sinn dieses in der Laufwelt berühmten Zitats der tschechischen Lauflegende Emil Zátopek (1922– 2000) lässt sich leicht ergründen: Laufen liegt in unseren Genen. „Es ist eine der ursprünglichsten Fortbewegungstechniken des Menschen – ein Grundbedürfnis.“ Das sagt der Sportpsychologe Günter Amesberger, Leiter des Fachbereichs Sport- und Bewegungswissenschaft an der Uni Salzburg. Allerdings sei die Marathondistanz „für gesundes Laufen eigentlich zu lang“. Aber: „Der Mensch ist nicht widerspruchsfrei.“

2. Der Vergleich. Marathon ist ein anderes Wort für Herausforderung. Wie im Beruf gelte das Leistungsmotiv, erklärt Sportpsychologe Björn Krenn vom Institut für Sportwissenschaft der Uni Wien. „Durch einen Marathon kann man sich in Relation zu anderen setzen.“ Als Teilnehmer frage man sich: „Wo bin ich im Vergleich zu den anderen?“ Der Drang nach dem Vergleich zeige sich auch durch das Verhalten der Menschen in sozialen Medien. Auch dort setze man sich selbst ständig in Beziehung zu anderen. Und da jeder Marathonteilnehmer eine bestimmte Zeit läuft, sei es einfach, seine eigene Platzierung, seine eigene Leistung jener der anderen gegenüberzustellen.

So gesehen gilt also: Durch messbare Eigenleistung kann sich jedes Individuum innerhalb der großen Teilnehmermasse definieren.

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