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Netrebkos erste Tosca

New York jubelt über das Rollendebüt der Diva. Die MET ist endlich wieder einmal „ausverkauft“.

Da waren Melomanen neugierig: Anna Netrebko sang erstmals die Titelpartie in Puccinis „Tosca“ - und bescherte mit diesem Debüt der krisengebeutelten New Yorker Metropolitan Opera endlich wieder einen Abend, an dem das „Ausverkauft“-Schild an der Kasse prangte. Zumindest für diesen Moment kehrte das Publikum in den seit langem schlingernden Opern-Riesentanker zurück. Und wurde nicht enttäuscht.

Die Diva triumphierte. Erste Reaktionen amerikanischer Kritiker und Klassik-Blogger berichten von einem exzellenten Debüt. „Die Netrebko weiß, was sie tut“, schwärmt die New York Times und merkt an, die Künstlerin hätte sich für ein dermaßen heikles Debüt auf ihrem Weg in Richtung dramatisches Repertoire eine weniger prominente Bühne aussuchen können. Doch gilt auch für Times-Kritiker Anthony Tomasini: Wer wagt, gewinnt: "Ich kann mich nicht erinnern, einen so bewegenden Aufführung des zweiten Aktes dieser Oper gesehen zu haben." Als Scarpia stand Michael Volle der Diva gegenüber. Den Cavaradossi gab nach der Absage von Marcelo Alvarez Netrebkos Ehemann, Yusif Eyvazov. Am Pult stand der derzeit an der MET geradezu unumschränkt regierende Bertrand de Billy, der am vergangenen Wochenende drei Vorstellungen an diesem Haus dirigiert hat!

„Von diesem Rollendebüt haben New Yorks Musikfreunde ein Jahrzehnt lang geträumt“, setzt New Yorks „Classical Review“ nach: „Der Sopran ist dunkel und kräftig geworden“, analysiert der Rezensent, „die Höhe freilich ist klar fokussiert wie gewohnt“ und das „Gebet“ im Mittelakt „geriet atemberaubend in Ausdruck und vollendeter Phrasierung. Die flehentlichen Piani in der darauffolgenden Szene vielleicht noch berührender . . .“

Poison Ivy analyisiert: „Netrebkos Stimme hat enorm an Volumen und Klangfülle gewonen, dafür aber an Beweglichkeit verloren“ und vergleicht das Puccini-Debüt mit dem jüngsten Londoner Auftritt der Primadonna als Verdis Lady Macbeth: „der aufregend war, aber gefährdet in einigen bewegten Passagen“, die Puccini von seiner Titelheldin nicht verlangt. Die Tosca ermögliche der Netrebko „zu tun, was sie am besten kann: Das Auditorium mit enormen Klangwellen zu fluten.“

Apropos: Am 31. Mai gastiert Netrebko wieder in Wien - anlässlich des traditionellen Schönbrunn-Konzerts der Philharmoniker, das diesmal unter der Leitung von Valery Gergiev stattfindet. Auf dem Programm: natürlich auch das "Gebet" der Tosca . . .