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Petrik: "Stimmt nicht, dass es für Grüne durchwegs schlecht ausschaut"

Die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Regina Petrik
Die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Regina PetrikAPA/HERBERT P. OCZERET
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Die grüne Vize-Bundessprecherin Regina Petrik lobt das Wahlergebnis in Salzburg. Im Parteiaustritt von Innsbrucks Vizebürgermeisterin ortet sie einen "konstruierten Konflikt".

Die Presse: Ein klarer Sieg in Innsbruck, eine Halbierung der Stimmen in Salzburg. Blicken Sie mit einem lachenden oder weinenden Auge auf den geschlagenen Wahlsonntag?

Regina Petrik: 2013 hatten wir in Salzburg aufgrund des aufgebrochenen Finanzskandals eine historische Chance und die konnten wir damals optimal ausnutzen. Jetzt haben wir das historisch zweitbeste Ergebnis geschafft. Das ist im ersten Vergleich zwar schmerzvoll. Aber: Es ist nicht so schlecht.

Hat Astrid Rössler als Juniorpartner in der Salzburger Regierung auf die falschen Themen gesetzt?

Sie hat Sacharbeit geleistet - genau das wollten viele Wähler. Leider ist es das Los des kleineren Regierungspartners, dass er, wenn er auf Sacharbeit setzt, in der öffentlichen Wahrnehmung nicht das Lob dafür einheimst.

Der "Luft 80er" - Tempo 80 auf der Stadtautobahn - verärgerte im Vorfeld des Urnengangs aber doch viele.

Ja, einige ärgert der Luft-80er, aber hier wurde genau das umgesetzt, wofür Rössler gewählt wurde: Sie hat dafür gesorgt, dass die Luft sauberer wird, dass die Bodenversiegelung reduziert wird. Dass solche Taten bei Wahlen nicht immer honoriert werden, ist ein bitterer Nebengeschmack.

Astrid Rössler will den Gremien aufgrund des Wahlausgangs ihren Rücktritt anbieten - würden Sie annehmen?

Das müssen die Salzburger Grünen entscheiden. Ich schätze Astrid Rössler und ihre Arbeit, aber da mische ich mich nicht ein.

2014/15 regierten die Grünen in sechs Ländern mit, nun sind sie nur noch in Vorarlberg, Wien und Tirol vertreten. In Kärnten flogen sie aus Landtag und Regierung. Was läuft schief?

Die Grünen sind am Dampfer mit dabei, das hat erst gestern die Wahl in Innsbruck gezeigt. Auch bei der Tiroler Landtagswahl war das Ergebnis nicht so übel. Kärnten, das lässt sich nicht anders sagen, war leider ein Tiefpunkt.

In Tirol setzte es ein Minus von 1,9 Prozent, in Innsbruck wurde der Gemeinderat bzw. Bürgermeister gewählt, kein Landtag.

Es ist aber immerhin eine Landeshauptstadt und die Grünen kamen auf Platz eins. Das heißt: Es stimmt nicht, dass es für die Grünen in den Ländern durchwegs schlecht ausschaut. Ja, wir hatten im vergangenen Jahr Turbulenzen, die jetzt noch nachschwingen. Aber: Ich nehme auch wahr, dass es jetzt eine große Bereitschaft gibt, Dinge zu überdenken. Ich bin da gar nicht pessimistisch, es wird sich 2018 bei den Grünen einiges ändern.

Kurz vor der Innsbruck-Wahl trat Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider aus der Partei aus. Kurz vor der Kärnten-Wahl verkündete Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig ihren Einstieg bei Novomatic. Taktik oder Zufall?

Es ist nie angenehm, wenn kurz vor einem Wahlgang, jene, die nichts mehr zu sagen haben, groß auftreten. Aber damit müssen wir in einer Partei, in der freie Meinungsäußerung zugelassen wird, eben leben.

Pitscheider nannte als Grund für ihren Schritt die Aussage Willis: "So hart das klingen mag, aber die Frage, ob ich mir das Dach über'm Kopf leisten kann, beschäftigt die Leute ganz einfach mehr als die Frage nach dem Binnen-I oder der Ehe für alle." Wie stehen Sie dazu?

In der Politik gibt es Inhalte, die einander widersprechen. Zum Beispiel, wenn ich sage: Ich bin für Klimaschutz und auf der anderen Seite baue ich eine dritte Piste am Flughafen in Wien. Wenn ich aber sage: Ich setze mich ein für leistbares Wohnen und ich setze mich auch ein für die Gleichstellung von Frauen und Männern, dann ist das kein Widerspruch. Insofern kann ich die Aktion von Frau Pitscheider nicht nachvollziehen; das war ein konstruierter Konflikt von ihr.

Welche Lehren ziehen die Grünen nun aus derartigen Aktionen bzw. den jüngsten Wahlergebnissen?

Da bitte ich noch um etwas Geduld. Ich bin eine Verfechterin des Grundsatzes: Erst denken, dann handeln. Der gestrige Wahltag ist in seiner Bandbreite an Ergebnissen noch zu nahe, um Schlüsse zu ziehen. Aber: Es ist schon einiges da, was "geh‘ad wird".