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Italien: Prostituierte und lukrative Bauaufträge

(c) EPA (Rolf Vennenbernd)
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Zwei Berlusconi-Vertraute sind in einen Korruptionsskandal verwickelt: seine rechte Hand Gianni Letta und der Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, bis vor Kurzem der Held der Nation.

Rom. Der Mann wurde in flagranti erwischt: In der Toilette einer Buchhandlung hatte Milko Pennisi einen Umschlag mit Geldscheinen versteckt, doch die Polizei war ihm schon auf den Fersen. Pennisi war so unvorsichtig, seinen Klienten vor das Mailänder Rathaus zu bestellen. Der hatte ihm schon einmal 5000 Euro zukommen lassen für eine Baulizenz. Doch Pennisi, Stadtrat von Berlusconis Partei „Volk der Freiheit“ (PdL), wollte noch einmal den gleichen Betrag.

Unterdessen legte er sein Amt zurück und sitzt im Gefängnis.

Sein Fall erinnert die Italiener an ähnliche, damals im Mailand der frühen 90er-Jahre, die die „Erste Republik“ zum Einsturz brachten. Im Zuge von „Tangentopoli“, wie der Skandal auch hieß, wanderten Politiker zu Hunderten wegen Bestechung und Korruption in Untersuchungshaft, mehr als 1000 wurden verurteilt. Das ist 18 Jahre her, doch dieser Tage fürchten viele, dass ein neues Tangentopoli herauf zieht.

 

Schmiergeld für G8-Gipfel

Der jüngste Skandal reicht bis in das Zentrum der Regierung hinein, und zwei der engsten Mitarbeiter von Berlusconi sind schwer belastet: seine rechte Hand Gianni Letta und der Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, bis vor Kurzem der Held der Nation. Doch jetzt steht Berlusconis Mann für alle Notstände unter Verdacht, für die Vermittlung von lukrativen Bauaufträgen bestochen worden zu sein. Aus Telefonmitschnitten geht hervor, dass er Gast in einem Fitnesscenter eines Bauunternehmers war und dort offenbar mit Massagen und Edelprostituierten für seine Dienste entlohnt wurde. Doch es soll auch Geld geflossen sein dafür, dass er überhöhte Rechnungen für öffentliche Bauaufträge billigte.

Es geht um staatliche Investitionsprojekte in Milliardenhöhe rund um den G8-Gipfel im Vorjahr, die Schwimmweltmeisterschaften in Rom und die geplanten Feierlichkeiten für das 150-jährige Bestehen der Republik Italien. Der Unternehmer sitzt mittlerweile in Haft, genauso wie der Mittelsmann. Bertolaso aber ist weiter im Amt. Berlusconi lehnte seinen Rücktritt ab.

Unterdessen hat sich Bertolaso auf die Opferrolle verlegt. Ein „Tsunami“ sei gegen ihn losgetreten worden, ließ er vernehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2010)