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Flugsicherheit: Piloten unter Laserbeschuss

(c) AP (Michael Probst)
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Ein neues Phänomen gefährdet den Flugverkehr: „Spaßvögel“ am Boden beschießen Flugzeuge bei der Landung mit Laserpointern – und blenden die Piloten.

Erst kommt ein „blitzartiges Licht“. Dann folgen bleibende Flecken im Sichtfeld, eingeschränkte Sehfähigkeit, Blutungen im Auge – damit haben immer mehr Piloten zu kämpfen, die (meist) bei der Landung von Laserstrahlen ins Auge getroffen wurden. Offenbar finden es nämlich gewisse Personengruppen „witzig“, mit Laserpointern und anderen Laserstrahlgeräten Flugzeuge unter Feuer zu nehmen.

In besonders schweren Fällen wurden manche Piloten dadurch berufsunfähig: „Für einige Sekunden, manchmal Minuten, ist man orientierungslos“, sagt Jörg Handwerg, Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung „Cockpit“. Die Landung werde so sehr gefährlich; ein Crash droht.

In Großbritannien etwa wurden im Vorjahr 737 Laserpointerangriffe auf Luftfahrzeuge gemeldet, in Deutschland gab es 2008 mehr als 600 Fälle. Länder wie die USA, Australien und die Niederlande stehen vor demselben Problem.

 

Vorfall über Wien

In Österreich wurde laut der Flugunfallstelle der Bundesanstalt für Verkehr (BAV) bisher nur ein Fall bekannt: Er trug sich Mitte Jänner beim Landeanflug über Wien zu.

Laser produzieren einen gebündelten roten oder grünen Lichtstrahl. Seit den 90er-Jahren werden die (damals weit teureren) Laserpointer meist als Zeigegeräte bei Vorträgen eingesetzt. Die Blendangriffe nehmen nun zu, da Laserpointer heute einfach und billig (ab ca. fünf Euro) z. B. als Schlüsselanhänger erhältlich sind. Laser seien Waffen und sollten als solche behandelt werden, fordert Handwerg.

Laser ab der Kategorie drei – das sind solche mit einer Strahlkraft von mehr als fünf Milliwatt und einer effektiven Reichweite von 1000 Metern und mehr – gelten als gefährlich. Angriffe zu vermeiden oder die Täter zu fassen, ist fast unmöglich: Sie schlagen nachts oder in der Dämmerung zu. Beleuchtete Flugzeuge sind besser erkennbar, und die Strahlen können zielgerichteter eingesetzt werden.

In Deutschland sind die Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel Brennpunkte. Tegel liegt mitten in der Stadt. Aus Pilotenkreisen hört man, dass hier eine radikale „Blenderszene“ entsteht. Die Angreifer benutzen professionelle Hochleistungslaser mit einer Strahlkraft von 1000 Milliwatt, die bis zu 4000 Euro kosten. Die Polizei richtete eine Sonderkommission ein.

 

Genervte Anrainer als Täter?

Ein „Lufthansa“-Pilot, der anonym bleiben will, erklärt im Gespräch mit der „Presse“, warum besonders Flieger im Landeanflug gefährdet sind: „Dabei hat man eine geringere Geschwindigkeit als beim Start und setzt aus einem weniger steilen Winkel auf dem Rollfeld auf. Beim Start hingegen ist man wesentlich schneller, und binnen einer Minute fliegt man aus jeglicher Reichweite.“

Betroffene Crews informieren den Tower, der die Polizei kontaktiert. Zuletzt konnten mehrere „Witzbolde“ ermittelt werden. Ein klares Täterprofil lässt sich dennoch nicht erstellen; Piloten mutmaßen, dass es Anrainer sind, die sich durch Fluglärm belästigt fühlen, gelangweilte Jugendliche oder Hobbyastronomen, die nachts Planetenbewegungen verfolgen.

Diese Laserattacken seien lebensgefährlich und keine Kavaliersdelikte, meint der Lufthansa-Pilot. Das werde in den Medien zu wenig thematisiert. Mehrere Länder wie Großbritannien, Deutschland und Holland haben sie unter Strafe gestellt: Darauf stehen drei bis fünf Jahre Haft. Die Vereinigung tschechischer Piloten forderte jüngst ebenfalls ein Verbot; In Prag wurden im Vorjahr sieben Laserangriffe registriert. Viele Länder haben in den letzten Jahren Handlungen, die die Luftfahrt gefährden, zudem als terroristische Straftaten eingestuft.

 

Vier Jahre Haft für US-„Blender“

Erst im Jänner dieses Jahres wurde der Amerikaner Jamie Allen Downie (35) in Florida nach einer Blendattacke auf einen Helikopter zu vier Jahren Haft verurteilt.

Auch auf dem Boden können Laserpointer gefährlich sein: In Fußballstadien blenden Fans mitunter Spieler der gegnerischen Mannschaft und Demonstranten „schossen“ damit auf Polizisten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2010)