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Schwerkranker Alfie darf nicht für Behandlung ausreisen

Unterstützter Alfies.APA/AFP/PAUL ELLIS
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Der zweijährige Alfie Evans atmet ohne Hilfe. Britische Richter sehen lebenserhaltende Maßnahmen als sinnlos an. Eine Behandlung im Vatikan untersagte das Gericht ebenso.

Der schwerkranke kleine Bub Alfie Evans darf seine britische Heimat nicht für eine medizinische Behandlung verlassen - das hat ein Gericht in Manchester entschieden. Laut der britischen Nachrichtenagentur PA wies ein Richter einen entsprechenden Antrag der Eltern am Dienstagabend ab.

Das Kind darf damit nicht nach Italien ausgeflogen werden. "Dies ist das letzte Kapitel im Fall dieses außergewöhnlichen kleinen Jungen", zitierte die BBC und die Zeitung "Guardian" den Richter. Laut dem "Guardian" brachte das Gericht zugleich die Möglichkeit ins Spiel, das Kind "für seine letzten Tage oder Stunden" nach Hause zu holen.

Nachdem Ärzte in Großbritannien die lebenserhaltenden Maßnahmen für den schwerkranken Buben am Montag abgeschalten hatten, arbeitete die Lunge des Kindes auch ohne Maschine. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte einen Antrag der Eltern auf Fortführung der Maßnahmen zuvor abgelehnt.

Die Ärzte seien "baff" gewesen, als klar geworden sei, dass Alfie selbst atmen könne, sagte Vater Tom Evans am Dienstag der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Später sei die Zufuhr von Sauerstoff und Wasser wieder gestartet worden - das Kind atme aber weiterhin selbst.

Alfie leidet an einer neurologischen Krankheit, die noch nicht klar diagnostiziert ist. Britische Richter sehen lebenserhaltende Maßnahmen als sinnlos an, weil das Gehirn des Kindes durch die Krankheit fast vollständig zerstört sein soll. Alfies Ärzte am Alder Hey Hospital in Liverpool bezeichnen eine Verlängerung seines Leidens als unmenschlich.

Hoffnung Vatikan

Die Eltern hofften auf Hilfe aus dem Vatikan bzw. aus Italien. Ein Team des vatikanischen Kinderkrankenhauses Bambino Gesu war bereit, nach Liverpool zu fliegen, um den schwerkranken Alfie nach Rom zu bringen. Die italienische Verteidigungsministerin Roberta Pinotti hatte sich eingeschaltet, um ein Flugzeug zur Verfügung zu stellen, berichtete die Leiterin des vatikanischen Krankenhauses Marinella Enoc nach Medienangaben vom Dienstag. Doch das Gericht untersagt die Reise des schwerkranken Buben.

Unterstützung von EU-Parlamentspräsident

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani meinte, man müsse Alfie noch eine Chance geben. "Man muss das Leben dieses kleinen europäischen Bürgers schützen. Vielleicht kann man ihn in Rom retten", sagte Tajani nach einem Treffen mit Kardinal Gualtiero Bassetti, Präsident der italienischen Bischofskonferenz CEI am Dienstag in Brüssel.

Der Papst hatte am Montagabend im Fall Alfie einen Appell an die Öffentlichkeit gerichtet. Papst Franziskus dankte über Twitter für die Gebete und die Solidarität für das Kind und bekräftigte seine Bitte, den Eltern mehr Zeit für neue Behandlungsmöglichkeiten zu geben.

Alfie Evans ist an einem seltenen degenerativen Hirnleiden erkrankt. Sein Fall erinnert an das Schicksal des todkranken britischen Babys Charlie Gard, das im Juli vergangenen Jahres eine Woche vor seinem ersten Geburtstag gestorben war, nachdem die Ärzte das Beatmungsgerät abgeschaltet hatten. Der Bub hatte an einer seltenen Erbkrankheit gelitten, die das Gehirn schwer schädigt.

(APA/dpa)