Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Vom Medienstar zum »Betrüger-Bubi«

Kein Vorbild: Ein früherer »jüngster Unternehmer« setzte sich nach Paraguay ab.

Jerome Suckrow haute mächtig auf den Putz: „Mit 18 bin ich Millionär, mit 30 fahre ich Ferrari, und meine Firma ist in einer Villa auf Gran Canaria.“ Noch manch anderen flotten Spruch hatte der damals 15-jährige Berliner Jungunternehmer auf Lager, als Gast bei der Show „TV Total“ von Stefan Raab und in einem doppelseitigen Porträt, das ihm die Jugendzeitschrift „Bravo“ widmete. Mit Golduhr, Krawatte und Businesshemd machte er lautstark Werbung für seine Firma „J-S-Media“.

Garniert war die schöne Geschichte mit reizenden Anekdoten: der Labradorwelpe, den sich das Internetwunderkind mit seinem ersten selbst verdienten Geld kaufte. Das Fußballposter und das Tierpuzzle an der Wand seines zum Hightechbüro hochgerüsteten Kinderzimmers. Die Mutter, die ihren Jerome voll unterstützte und sogar zum Geschäftsessen ins Nobelhotel Adlon chauffierte.

Nur wenn man ihn nach seinem Geschäft fragte, der Suchmaschinenoptimierung und dem Onlinemarketing, mit dem er angeblich 3500 Euro pro Monat verdiente, geriet der Medienstar ins Stottern. Schon damals, vor fünf Jahren, vermittelte das freche Früchtchen auch dubiose Darlehen für nicht kreditwürdige Schuldner. Und ein Jahr später sorgte er dann nochmals für Schlagzeilen, wenn auch ganz unrühmliche: Dutzende eBay-Kunden erstatteten Anzeige gegen Suckrow.

Er hatte ihnen in dem Internetauktionshaus iPods und teure Nokia-Handys zur Hälfte des üblichen Preises versprochen. Die Kunden standen Schlange, sogar Elektrohändler packte die Gier. Wer einen Gewerbeschein sehen wollte, bekam eine gefälschte Version vorgelegt – das Geburtsjahr datierte Suckrow um zehn Jahre zurück. Die Kunden mussten eine Anzahlung überweisen, die Ware aber wurde nie geliefert.

Die Polizei begann zu ermitteln. Suckrow wurde die Sache zu heiß, er setzte sich mit Mutter und Schwester nach Paraguay ab. Im Reisegepäck hatte er laut Kripo 100.000 Euro. Flugs mutierte der Goldjunge für das Berliner Boulevardblatt „B.Z.“ zum „Betrüger-Bubi“. Dann verlieren sich die Spuren.

Hämischen Bloggern zufolge soll Jerome in Südamerika weiter sein Unwesen treiben, während seine Mutter ihr schlechtes Gewissen im Alkohol ertränkt. Schwester Angelique kehrte jedenfalls wieder nach Berlin zurück.

Bruder und Onkel versuchen indes, die Familienehre hochzuhalten: Ihr Verwandter sei selbst Opfer eines betrügerischen Vorlieferanten geworden. Wie auch immer: Obwohl aus derselben Branche, ist Jerome Suckrow vom Typ her so ziemlich das Gegenteil des stillen und bescheidenen Bernhard Schulz – seinem aktuellen Nachfolger für das Label „Deutschlands jüngster Unternehmer“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2010)