Französischer Präsident plädiert in Rede vor dem US-Kongress für "starken Multilateralismus", freien und fairen Handel und Klimaschutz - "Make our planet great again"
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich in einer Rede vor dem US-Kongress für eine gemeinsame globale Führungsrolle der USA und Europas ausgesprochen. Sie könnten gemeinsam die Weltordnung für das 21. Jahrhundert schaffen, betonte er. Zugleich plädierte er für einen "starken Multilateralismus", freien und fairen Handel sowie den Klimaschutz. "Make our planet great again", betonte er.
Zwar könne man die Isolation wählen, sagte er mit Blick auf die umstrittene nationalistische Politik von US-Präsident Donald Trump. Aber die Tür zur Welt zuzuschlagen werde nicht die Entwicklungen auf der Welt stoppen. Frankreich und die USA seien durch gemeinsame Werte verbunden und hätten dafür auch schwere Verluste in Kauf genommen. "Deswegen stehen wir etwa in Syrien zusammen, um zusammen gegen Terroristen zu kämpfen, die alles zerstören wollen, wofür wir stehen", sagte er in seiner Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses.
"Wir teilen eine gemeinsame Vision für die Menschheit", sagte Macron und sprach vom "Wunder der Beziehungen" beider Länder. Man habe eine ganz besondere Beziehung zueinander, eine "special relationship". Macron erinnerte auch an die von Amerikanern und Franzosen geteilte Geschichte zweier Weltkriege.
"Iran soll niemals Atomwaffen besitzen"
Macron brach eine Lanze für die NATO und die Vereinten Nationen, aber auch für den Umweltschutz. Durch die Verschmutzung der Meere, den ungebremsten CO2-Ausstoß und die Zerstörung der Artenvielfalt wird der Planet getötet, sagt Macron. Es gebe jedoch keinen "Planeten B". Zusammen mit Firmenchefs und Gemeinden solle "unser Planet wieder groß werden", forderte er in Abwandlung des nationalistischen Wahlkampfslogans von Trump ("Make America great again"). Er sei zuversichtlich, dass die USA dem Pariser Klimaabkommen eines Tages wieder beitreten werden.
Macron plädierte auch für ein Festhalten am Welthandelssystem. Handelsstreitigkeiten könnten im Rahmen der WTO beigelegt werden, sagte er mit Blick auf die umstrittenen Strafzölle der USA. Er glaube an freien und fairen Handel, allerdings sei er gegen massive Deregulierung.
Der französische Präsident warb auch neuerlich für das Iran-Atomabkommen, aus dem Trump aussteigen will. Dieses solle nicht aufgegeben werden, ohne etwas Substanzielleres als Ersatz. Der Iran solle niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen, unterstrich er. "Allerdings sollte die Iran-Politik uns niemals zu einem Krieg in Nahost führen."
Es ist der letzte Tag von Macrons Besuch, er ist seit Montag in der US-Hauptstadt. Der französische Präsident sprach auf Englisch. Er war der achte französische Präsident, der eine Rede vor dem Kongress hielt.
Mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron hat US-Präsident Donald Trump erstmals einen offiziellen Staatsgast empfangen. Macron traf an der Seite seiner Frau Brigitte am Montagnachmittag in Washington ein. USA/Frankreich: Die transatlantischen Baustellen türmen sich auf (c) APA/AFP/LUDOVIC MARIN (LUDOVIC MARIN)
Die beiden Staatsmänner, die sich angeblich recht gut verstehen sollen, wollen am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Themen der internationalen Politik besprechen. (c) REUTERS (CARLOS BARRIA)
Doch am Montag ging es eher locker zu. Beide Paare zeigten sich im Garten des Weißen Hauses mit bester Laune. Macron und Trump spazierten teils Händchen haltend mit ihren jeweiligen Gattinnen über den Rasen. (c) APA/AFP/JIM WATSON (JIM WATSON)
Die beiden Politiker pflanzten im Garten des Weißen Hauses einen Eichenbaum. Die Steineiche stammt aus einem Wald im französischen Aisne, wo zum Ende des Ersten Weltkriegs Tausende US-Soldaten ihr Leben gelassen hatten. (c) APA/AFP/JIM WATSON (JIM WATSON)
Den beiden Präsidenten wird ungeachtet teils sehr unterschiedlicher Auffassungen zu Politik und Politikstil ein gutes persönliches Verhältnis nachgesagt. (c) REUTERS (JONATHAN ERNST)
Am Abend ging es per Helikopter zum als "privat deklarierten" Abendessen auf Mount Vernon. (c) APA/AFP/LUDOVIC MARIN (LUDOVIC MARIN)
Aus dem Helikopter in den Golfwagen. Mount Vernon liegt vor den Toren der Hauptstadt und war Landsitz des ersten US-Präsidenten, George Washington. (c) REUTERS (JONATHAN ERNST)
In dem optische bescheidenen Haus gab es laut Weißem Haus folgendes Menü: Seezunge, mit Zitronen-Ricotta gefüllte Pasta und Schokoladensoufflé mit Vanille-Eiscreme. (c) APA/AFP/SAUL LOEB (SAUL LOEB)
Macron hatte den US-Präsidenten und die First Lady im Sommer 2017 zu den Festivitäten des französischen Nationalfeiertags eingeladen. Trump soll sich am Bastille-Tag die Anregung für eine eigene Militärparade geholt haben, die er in Washington abhalten will. APA/AFP/NICHOLAS KAMM
Am Dienstag wurde es dann formeller, die Paare zeigten sich vor dem großen Staatsdinner auf dem Balkon des Weißen Hauses - die Damen farblich abgestimmt. (c) REUTERS (KEVIN LAMARQUE)
Unter grauem Himmel ließ Trump am Dienstag für Macron eine farbenprächtige Zeremonie ausrichten. (c) APA/AFP/NICHOLAS KAMM (NICHOLAS KAMM)
Zum ersten Staatsbesuch seiner Amtszeit hat Trump seinen Gast Macron mit militärischen Ehren vor dem Weißen Haus begrüßt. (c) APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI (BRENDAN SMIALOWSKI)
Anschließend standen politische Gespräche auf dem Programm. Der schwerste Brocken: der Atomdeal mit dem Iran. Nachdem Trump gedroht hatte, aus dem Abkommen auszusteigen, stimmte er am Dienstag mildere Töne an. Das skurrilste Foto des gestrigen Tages: Der US-Präsident wischte Macron mit dem Worten "Wir machen ihn perfekt." eine Haarschuppe von der Schulter. APA/AFP/LUDOVIC MARIN
Am Dienstagabend folgte dann der gesellschaftliche Höhepunkt des Staatsbesuchs: Trump und First Lady Melania luden zu einem Staatsbankett ins Weiße Haus. REUTERS/Brian Snyder
Trump und Macron dinierten im schwarzen Smoking, die Ehefrauen erschienen in langen Roben. Melania Trump trug ein silberfarbenes Kleid von Chanel, Brigitte Macrons ein cremefarbenes Gewand mit goldfarbenem Besatz von Louis Vuitton. REUTERS/Carlos Barria
An dem festlichen Abendessen nahmen nach Angaben des Weißen Hauses zudem rund 150 geladene Gäste aus Politik und Gesellschaft teil. Gastgeber Trump erinnerte in seiner Tischrede an die gemeinsame Geschichte beider Länder und deren Bedeutung für die Demokratie in der Welt. "Gott schütze unsere Allianz", sagte er. REUTERS/Carlos Barria TPX IMAGES OF THE DAY
Durchbruch gab es beim Treffen zwischen Merkel und Trump keinen. Der Handelsstreit ist nach wie vor ungelöst. Die deutsche Kanzlerin deutete Zugeständnisse in Sachen Iran an.
Angela Merkels Stippvisite steht im Kontrast zu Emmanuel Macrons Staatsbesuch. Der Handelsstreit und das Atomabkommen mit dem Iran dominierten die Agenda.
Die deutsche Kanzlerin hat bei ihrer Visite in Washington nur wenig Zeit, eine Eskalation im Disput zwischen USA und EU abzuwenden – vor allem in der Frage der Strafzölle.
Frankreichs Staatspräsident zeigt sich nach seinem Staatsbesuch in Washington pessimistisch, was den Vertrag der USA mit Washington betrifft. US-Präsident Donald Trump droht schon länger mit dessen Aufkündigung.