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Deal: Unfallkrankenhaus soll Station für das AKH betreiben

Allgemeines Krankenhaus (AKH)
Allgemeines Krankenhaus (AKH)(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Zerschlagung der AUVA wird debattiert. Die hat mit dem AKH gerade einen Vertrag in der Höhe von 57 Millionen Euro geschlossen.

Wien. Der Zeitpunkt ist zumindest bemerkenswert – und der Vertrag durchaus lukrativ: Am 27. März, als die politische Debatte um die Zukunft der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) schon am Laufen war, konnte diese noch einen gut dotierten Auftrag für die nächsten zehn Jahre unter Dach und Fach bringen. Der Vertragspartner: das Allgemeine Krankenhaus (AKH).

Ab sofort soll die AUVA für das AKH um 5,7 Millionen Euro pro Jahr im Unfallkrankenhaus Meidling eine ganze Station mit 24 Betten betreiben. Das Spital soll Eingriffe für das AKH übernehmen, aber auch bereits operierte Patienten weiterbehandeln. Laut der „Presse“ vorliegender Vereinbarung wird die AUVA das Personal sowie die ärztliche Leitung stellen – bei Bedarf soll Personal des AKH hinzugezogen werden. Der Vertrag gilt für die nächsten zehn Jahre und ist seit ersten April gültig.

 

Weitere Kooperationen sollen folgen

Diese Kooperation ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens hat die Stadt Wien Kapazitätsprobleme in öffentlichen Spitälern stets bestritten. Gangbetten wurden meist geleugnet. Offenbar gibt es diese Engpässe aber doch, wenn nun eine weitere Station eröffnet werden soll. Derzeit umfasst die Unfallchirurgie im AKH zwei allgemeine Ambulanzen, acht Spezialambulanzen sowie vier Stationen.

Zweitens hilft der Deal auch der AUVA in der aktuellen politischen Debatte um ihre mögliche Zerschlagung. Die AUVA zeigt so, dass sie bereit ist, einen Teil des öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrags zu übernehmen – und macht sich so unverzichtbarer. Sie kommt damit auch einer langjährigen Forderung der öffentlichen Spitäler nach, sich mehr in Versorgungsstrukturen einzuklinken und nicht parallel Elite-Spitäler zu betreiben. Die österreichischen Unfallspitäler gelten mitunter als die besten in Europa. Dass eine derart hohe Qualität gewährleistet werden kann, resultiert auch daraus, dass die Häuser monetär besser ausgestattet sind als öffentliche. Außerdem konnten sie Patienten bisher auch ablehnen, was öffentliche Spitäler nicht können.

„Es war eine Win-win-Situation. Im AKH gab es Kapazitätsprobleme und Gangbetten. Und wir hatten nach dem Umbau in Meidling eine ganze Station noch nicht wiedereröffnet“, sagt Wolfgang Schaden, stellvertretender ärztliche Direktor der AUVA.

Dass diese Kooperation gerade jetzt zustande kommt, habe nichts mit den Einsparungsplänen der Regierung zu tun, sondern sei Zufall. Es habe mit dem KAV bereits die vergangenen eineinhalb Jahre immer wieder Gespräche für eine derartige Zusammenarbeit gegeben. „Es ist die erste dieser Art, und wir hoffen, dass es noch weitere geben wird. In anderen Bundesländern haben wir das schon besser umgesetzt als in der Hauptstadt“, sagt Schaden.

Aufgaben anderer Spitäler und Versorgungseinrichtungen zu übernehmen, das könnte künftig freilich ein Finanzierungsmodell für die AUVA sein, falls ihre Mittel – wie politisch angekündigt – drastisch gekürzt werden.

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hatte Einsparungen in der Höhe von 500 Millionen Euro angeordnet, um die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber zu senken. Vor allem Großkonzerne würden von den Beitragssenkungen massiv profitieren. Hartinger-Klein hat weiters eine Zerschlagung der AUVA in den Raum gestellt, sollte diese die Vorgaben nicht erfüllen können.

Die Wiener Neos glauben nicht an Zufall und haben bezüglich der neuen Kooperation der beiden Spitäler eine Anfrage eingebracht. Denn „unabhängig von der Frage der medizinischen Sinnhaftigkeit und den kapazitätsmäßigen Überlegungen scheint der Zeitpunkt des Abschlusses der Vereinbarung angesichts der hitzig geführten Debatte zu den Plänen der Bundesregierung zur AUVA interessant“.

Neos-Gemeinderätin Beate Meinl-Reisinger ortet nun Querfinanzierung vom AKH Richtung AUVA. Sie will von Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) wissen, ab wann verhandelt wurde, wie es mit der Bettenauslastung im AKH aussieht – und ob die Kosten im aktuellen Jahresbudget 2018 vorgesehen seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2018)