Wer gute Verlierer erleben wollte, brauchte sich nur den olympischen Super-G ansehen. Die ÖSV-Läufer haben das haushohe Verlieren fast zur Perfektion getrieben.
Die Art und Weise wie die Skispringer dem Schweizer Olympiasieger ans Zeug flicken wollten, mag peinlich, möglicherweise auch letztklassig gewesen sein. Die ÖSV-Adler trauen sich offenbar nicht zu, Simon Ammann sportlich zu schlagen. Also wurde gegen seine neue Bindung protestiert. Die Sache ist vom Schanzentisch. Ammanns Equipment entspricht den Regeln. Zurück bleibt der Vorwurf, unsere Adler seien schlechte Verlierer.
Als ob man sich als guter Verlierer mehr kaufen könnte. Und es geht im Sport nun einmal in erster Linie ums Kaufen, ums Geschäft. Das sind alles Profis. Im harten Profisportgeschäft haben gute Verlierer eigentlich nichts zu suchen. Denn nur die schlechten Verlierer sind die Sieger von morgen. Die guten Verlierer sind die guten Verlierer von morgen.
So wie unsere Herren im Super-G. Michael Walchhofer hat ja schon vor dem Rennen gemeint: „Ich rechne mir eigentlich nicht so viel aus.“ Und genauso ist er auch gefahren. Wie ein guter Verlierer auf Platz 21. Nach dem Rennen wurde er gefragt, ob er Konsequenzen befürchtet. Die Frage zielte auf Konsequenzen bei den Trainern ab. Walchhofer aber bezog sie scherzhaft auf sich: „Ob sie mich rausschmeißen aus dem ÖSV? Nein, das glaube ich nicht.“
Dabei wäre das zur Abwechslung einmal ein interessanter Denkanstoß. Wer sagt, dass wir schlechte Trainer haben? Vielleicht liegt's an den satten, verwöhnten Skimillionären, denen es auch sehr gut geht, wenn sie verlieren? Dann lieber schlechte Verlierer: Denn die haben sich mit Niederlagen zumindest noch nicht abgefunden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2010)