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"Linker Hassprediger": Kärntner FPÖ zeigt Josef Winkler an

Josef Winkler beim Festakt zu 500 Jahre Klagenfurt.
Josef Winkler beim Festakt zu 500 Jahre Klagenfurt.(c) Screenshot
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Bei einer Festrede forderte der vielfach ausgezeichnete Autor erneut, die Urne Haiders in eine Gefängniszelle zu verlegen. Und sprach über "korrupte Politiker und Kapitalverbrecher".

Die Kärntner FPÖ hat am Donnerstag eine Anzeige wegen Verhetzung gegen den Literaten Josef Winkler angekündigt. Winkler hatte am Dienstag beim 500-Jahr-Jubiläum der Stadt Klagenfurt eine Festrede gehalten, die es in sich hatte. Ausgangspunkt war seine Forderung nach einer Stadtbibliothek. Denn Klagenfurt hat bis heute keine, obwohl die Stadt 100.000 Einwohner zählt. Dass es dafür aber ein Stadion mit 33.000 Plätzen gibt, befeuerte den vielfach ausgezeichneten Autor.

So geißelte er unter anderem die Errichtung des Wörtherseestadions und die Verfehlungen um die Hypo. An FPÖ-Politiker gewandt sagte er, die wahren Kärnten-Hasser seien diejenigen, die dieses schöne Land in den Ruin getrieben haben. Wenn die Republkik den Kärntner Schuldenberg nicht aufgefangen hätte, gebe es heute vielleicht noch eine offene Schule oder ein offenes Krankenhaus.

Schließlich kam er auch zu Ex-Landeshauptmann Jörg Haider. Dabei wiederholte Winkler seine Forderung aus dem Jahr 2009, die Urne Haiders in eine Gefängniszelle zu verlegen, "denn es könnte ja sein, dass er wie ein Phönix aus seiner Asche steigt und wieder sein Unwesen treibt und als blaues Wunder verkauft, denn schon zu Lebzeiten hat er öfter gesagt: Ich bin weg! Ich bin wieder da!"

Winkler hatte auch davon gesprochen, dass "die korrupten Politiker und Kapitalverbrecher", die er in seiner Eröffnungsrede beim Bachmannpreis 2009 und auch später "aufs literarische Korn genommen" habe, "inzwischen alle entweder hohe Geldstrafen oder eine Fußfessel bekommen" hätten "oder im Gefängnis gelandet" seien: "Und der eine oder andere wird demnächst wieder vor Gericht erscheinen müssen."

FPÖ spricht vom "linken Hassprediger"

FPÖ-Landesparteichef Gernot Darmann sprach von einer "unqualifizierten und beleidigenden" Rede. Und: "Wir setzen das klare Signal, dass die Grenze des Erträglichen durch den linken Hassprediger überschritten ist". Der Dritte Landtagspräsident Josef Lobnig, der am Dienstag während Winklers Rede aus Protest den Saal verlassen hatte, meinte, Winkler hätte "alle Grenzen des Anstandes" überschritten: "Er kann sich auch nicht auf die künstlerische Freiheit berufen, denn die endet jedenfalls dort, wo die Menschlichkeit verletzt wird."

Neben der Verhetzungs-Anzeige werde es auch Privatklagen von FPÖ-Funktionären geben, kündigte die FPÖ weiters an.

Anzeige als "Themenverfehlung"

"Vorsorglich und generell" erklärt die IG Autorinnen Autoren ihre Unterstützung für Winkler. Bei der angekündigten Anzeige handle es sich "um eine Themenverfehlung". "Josef Winkler hat eigennützige und korrupte Politik und Politiker im Rahmen eines Festaktes gegeißelt und nicht zu feindseligen Handlungen gegenüber bzw. einer Beschneidung von Lebensrechten einer Bevölkerungsgruppe aufgefordert, und er hat nichts angesprochen, für das sich nicht auch Belege heranziehen lassen würden", heißt es in einer Aussendung. Winkler habe "im eigenen Namen und nach eigener Wahrnehmung Festbilanz gezogen, als Schriftsteller und nicht als Vertreter oder Stellvertreter einer politischen Partei".

Es sei beim Bilanzieren notwendig, "nicht den Mantel des Schweigens über alles zu breiten, sondern vor allem auch auf Missstände und Fehlentwicklungen hinzuweisen. Wenn die Politik das nicht kann - die Literatur kann nicht darauf verzichten."

(APA/rovi)