Eishockey: Veteranentreffen auf dem Eis

Jaromir Jagr
Jaromir Jagr(c) AP (Matt Slocum)
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Das Eishockeyturnier bei den olympischen Spielen ist auch der letzte Vorhang für so große Namen wie Jaromír Jágr, Sergei Fedorow und Co. Die alten Haudegen lassen ihre Klasse noch einmal richtig aufblitzen.

Jaromír Jágr genießt das Bad in der Menge. Dutzende kanadische und amerikanische Journalisten bombardieren ihn mit Fragen. „Wie ist es, nach zwei Jahren wieder zurückzukehren?“ Zwei Jahre ist es her, dass der große alte Mann die nordamerikanische Profiliga NHL still und heimlich verlassen hat. Von den New York Rangers wechselte er zu Awangard Omsk nach Russland. „Es ist schön, hier zu sein“, strahlt der 38-Jährige. Und er sei hier nicht auf Urlaub, so richtete er den Kanadiern unmissverständlich aus, dass er hier eine Medaille mit nach Hause nehmen will.

„Er ist ein witziger Kerl. Er bringt gute Stimmung in die Mannschaft“, sagt Mannschaftskollege Patrik Elias zur „Presse am Sonntag“. Auch der Stürmer im Sold der New Jersey Devils zählt mit 33 Jahren bereits zu den Routiniers. „Wir sind hier, um Gold zu holen. Genauso wie die Amerikaner, Schweden und Finnen“, meint er.

Dass Kanada Gold holt, steht für die Kanadier fest. Und am liebsten wäre ihnen ein Finale gegen Russland, ein Duell der beiden besten Eishockeyspieler der Gegenwart: Sidney Crosby und Alexander Owetschkin. Denn immer, wenn sich die beiden in der NHL auf dem Eis begegnen, sprühen die Funken, treiben sich die beiden zu Höchstleistungen an. Sowohl Crosby bei den Pittsburg Penguins als auch Owetschkin bei den Washington Capitals kann mit einem Genieblitz ein Spiel entscheiden. Jaromír Jágr kann das auch. Gleich im ersten Spiel gegen Erzrivalen Slowakei erzielte er das 2:1 und gab zum 3:1 – gleichzeitig der Endstand – den Assist.

Jágr hält zwar keine NHL-Meisterschaft mehr durch, aber die paar Spiele in Vancouver allemal. Er gönnt sich auch nicht mehr so viel Zeit auf dem Eis. Aber was er anpackt, hat Hand und Fuß. „Ich hoffe, ich werde noch besser“, übt er sich in Understatement und lächelt verschmitzt.

In der Nacht auf Montag trifft Jágr übrigens auf einen anderen großen alten Mann des Eishockeys. Auf Sergei Fedorow. Auch der 40-jährige Russe hat im Sommer des Vorjahrs der NHL den Rücken gekehrt und spielt in Russland. Wie Jágr hat er Stanley Cup und Weltmeisterschaft gewonnen. Nur eines hat ihm Jágr noch voraus: olympisches Gold. „Und das will ich am Ende meiner Karriere noch holen“, sagt Fedorow. Dass er überhaupt noch mit von der Partie sei, habe ausschließlich einen Grund: „Ich halte noch 60 Minuten mit den Jungs mit.“

Veteranentreffen der NHL-Stars. Und so gerät das olympische Eishockeyturnier auch zu einem Veteranentreffen der früheren NHL-Stars. Denn gleich nach seiner Ankunft traf Jaromír Jágr seinen alten Rivalen Peter Forsberg. Der mittlerweile 36-Jährige spielt nach wie vor in der schwedischen Liga. Auch er zählt wie Jágr zum sogenannten „Triple Gold Club“, jenen 22 Spielern, die Stanley Cup, WM- und Olympiagold erobert haben.

Der frühere Star der Colorado Avalanche hat sogar zwei Goldmedaillen (1994 Lillehammer, 2006 Turin) zu Hause. „Ich weiß zwar nicht, was ich hier suche, aber ich werde dafür kämpfen, bis ich umfalle“, meint er augenzwinkernd. Forsbergs Einberufung ins schwedische Team hat einen einzigen Grund: Er ist noch immer einer der besten Scorer in der Liga.
Es zählt die Klasse, nicht das Alter. Bei Mike Babock, dem kanadischen Coach, ist dieser Stehsatz System. Da muss sich die 37-jährige Tormannlegende Martin Brodeur gegen den 30-jährigen Roberto Luongo im internen Duell behaupten.

Nur einer hat seinen Stammplatz seit 14 Jahren im kanadischen Team: Scott Niedermayer, 36-jähriger Verteidiger der Anaheim Ducks, Mitglied im „Triple Gold Club“. Und wie für Jaromir Jágr, Sergei Fedorow und Peter Forsberg werden diese Winterspiele auch für Scott Niedermayer und Martin Brodeur der letzte große Vorhang in einer großen Karriere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2010)

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