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Wie das Innovationsrisiko drastisch sinkt

(c) Pixabay

Management. Es brauche schon ein deutliches Maß an Offenheit, um Open Innovation einzusetzen, sagt Reinhard Willfort. Viele Unternehmen fürchteten den Verlust von Wissen und übersehen dabei die Chancen.

Der Markt, so scheint es, ist unersättlich: Die Nachfrage nach neuen Produkten und Dienstleistungen reißt nicht ab. Doch was tun, wenn es dem Anbieter an Innovationskraft mangelt? Wenn bisherige Innovationsprozesse nicht die gewünschten Ergebnisse zeitigen? Oder wenn der Wunsch besteht, Dinge radikal anders anzugehen?

Immer dann, wenn Ideen und Vorschläge von außen – von Kreativen, von Querdenkern oder von Kunden – hilfreich sein könnten, ist Open Innovation ein guter Zugang. Und das ganz branchenunabhängig. Die nötige Offenheit vorausgesetzt. Denn viele fürchten den Verlust von Wissen und übersehen dabei die Chancen.

Die Richtigen suchen

Die entscheidende Frage sei, sagt Reinhard Willfort, Geschäftsführer von ISN (Innovation Service Network), die richtigen Ideengeber anzusprechen. Willfort wird einer der Vortragenden beim „Special Innovationspool“ der ITS Förderberatung und der Plattform für Innovationsmanagement PFI am 16. Mai in Wien zum Thema „Der Weg zu Open Innovation und passende Fördermöglichkeiten“ sein. Drei typische Wege, an „kluge Köpfe“ zu kommen, zeigt Willford auf:

Kunden. Etablierte Unternehmen können das Wissen ihrer Kunden anzapfen und gleichzeitig deren Wünsche abfragen. Open Innovation wird dann auch gleich zum Kundenbindungsprogramm.

Plattform. Jüngere Unternehmen, die noch nicht über einen so großen Kundenstamm verfügen, können Expertenplattformen einsetzen: entweder bestehende, über die Spezialisten um Lösungen gebeten werden, oder sie bauen selbst eine entsprechende Plattform auf.

Experten. Open Innovation muss nicht heißen, mit dem Vorhaben an die breite Expertenöffentlichkeit zu gehen. Unternehmen, die über ihre Ansätze nicht zu viel verraten wollen, laden oft nur einen kleinen Kreis handverlesener Experten ein mitzuarbeiten.

Mit den Plattformen der unterschiedlichen Anbieter lässt sich zweifellos die größte Zahl kluger Köpfe ansprechen. Geheimhaltung funktioniert dann aber nicht mehr. Das ist etwas, was Unternehmen auch erst lernen müssen. Schließlich verraten schon die Fragen viel über die Intentionen und Strategien. Willfort rät ihnen daher, Muster oder Patente schon anzumelden, bevor sie via Plattform die Crowd befragen.

Die Richtigen anlocken

Umgekehrt sieht Willfort, der mit seinem Unternehmen Open-Innovation-Prozesse unterstützt und auch selbst entsprechende Plattformen betreibt, noch weitere Effekte in Richtung Employer Branding und Recruiting, die über das Innovieren hinausgehen.

Unternehmen, die mit Open-Innovation-Prozessen eine große Expertenöffentlichkeit ansprechen, nutzen diese meist auch als Kommunikationskanal, um zu zeigen: Seht, wir sind da an etwas dran. Wir denken weiter. Wir sind als permanenter Arbeitgeber für dich interessant.

Und noch etwas: Wer auf Open Innovation setzte, könne das Innovationsrisiko von 100 Prozent auf weniger als zehn Prozent senken, sagt Willfort. Und das sei für Investoren wie für Fördergeber interessant. Kreative Innovationsmethoden ermöglichten zukunftsträchtige Entwicklungen, sagt Martin Walser (ITS Förderberatung), die die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich nachhaltig förderten.

AUF EINEN BLICK

Special Innovationspool. „Der Weg zu Open Innovation und passenden Fördermöglichkeiten“ ist das Thema der Veranstaltung von ITS Förderberatung und der Plattform für Innovationsmanagement (PFI) am 16. Mai im Bellaria-Kino in Wien.Reinhard Willfort (ISN), Peter Pawlek (Austria Wirtschaftsagentur) und Martin Walser (ITS) werden dabei vortragen und diskutieren.
[ODSHY]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2018)

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