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José Cura in der Materialschlacht

(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Tenor José Cura gastierte erstmals in Wien am selben Abend in "Cavalleria" und "Der Bajazzo". Musikalisch ficht Cura in einer Schlacht - einer Materialschlacht.

Eines kann man José Cura nach diesem Abend mit den siamesischen Verismo-Zwillingen „Cavalleria rusticana“ und „Pagliacci“ („Der Bajazzo“) jedenfalls nicht vorwerfen: dass er sich nicht bedingungslos in die Schlacht geworfen hätte. Gibt es doch dann und wann Vorstellungen, bei denen er das Bühnengeschehen rings um ihn eher mit Verachtung zu strafen scheint. Keine Spur davon diesmal: Dem treulosen Turiddu, den er erstmals an der Staatsoper verkörperte, verlieh er mit ebenso viel Impetus Kontur wie dem betrogenen Canio, welchen er als reichlich täppischen Supermacho anlegt, dem nicht erst zum fatalen Ende hin Spiel und Ernst vor dem alkoholgetrübten Auge verschwimmen.

 

Olympionike der Lautstärke

Aber musikalisch ficht Cura tatsächlich in einer Schlacht, einer Materialschlacht ohne Rücksicht auf stilistische oder vokale Verluste. Da sein Tenor nur im Forte imposant klingen mag und sein Piano kaum mehr sein kann als Gesäusel, dröhnt bei ihm bereits die lyrische Siciliana am Beginn der „Cavalleria“ aus vollen Halse – und auch als Canio erzielt er nur durch gellende, zum Teil mit erheblichem Druck absolvierte Phrasen den angestrebten Überrumpelungseffekt.

Darüber hinaus transportiert sein Gesang wenig Emotion, weshalb er sein Heil in aufgesetzten Schluchzern und, fast selbstverständlich, einem einzig von Weinerlichkeit geprägten „Vesti la giubba“ suchen muss. Das Publikum schien aber genau das zu lieben und bejubelte diesen Olympioniken der Lautstärke für seine sängerisch jedem Klischee verpflichteten Leistungen – und ließ in allgemeiner Feierstimmung auch rundherum vor allem Milde walten: vor allem für eine völlig uninteressante, überforderte Hausdebütantin namens Nicoleta Ardelean als Nedda, aber auch für einen kaum besseren Alberto Mastromarino als Alfio. Dolora Zajick beeindruckt hingegen immer noch als Santuzza, Lado Ataneli liegt der Tonio deutlich besser als der Jago. Asher Fisch hatte alle Hände voll damit zu tun, zwischen dramatischer Aufwallung, spannungsarmer Vorsicht und einigen Wacklern Ordnung zu stiften: Das wird angesichts ambitionierter Leistungen von Chor und Orchester in den Folgevorstellungen sicher noch besser gelingen. wawe

Weitere Termine: 23. und 27.2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2010)