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"Sex-Kultur": Swingerclub zieht in die Secession

Secession
(c) FABRY Clemens
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Der Schweizer Christoph Büchel zeigt einen Swingerclub als Kunst-Installation: Der Betrieb im "Element6" soll in der Secession normal weitergehen. Ein Skandal für Boulevardmedien und Ursula Stenzel.

Aufregung um die Installation "Raum für Sex-Kultur" des Künstlers Christoph Büchel in der Secession herrscht derzeit in Wien. Der Schweizer, der bereits in Kassel ein Solarium, einen Billig-Supermarkt und ein Wettbüro im Fridericianum installiert hat, bespielt das Untergeschoß der Secession mit einem echten Swingerclub: Der "Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer" ist für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstraße in die Secession gezogen.

Tagsüber werden jene Besucher, die sich für das Beethovenfries interessieren, durch die leeren Räumlichkeiten geschickt (Jugendliche ausgenommen), in der Nacht läuft im Swingerclub "Element6" Normalbetrieb, sagte Secessions-Pressesprecherin Urte Schmitt-Ulms am Montag. Geöffnet hat der Swingerclub Dienstag und Mittwoch von 21 bis 2 Uhr früh und Donnerstag bis Samstag von 21 bis 4 Uhr früh.

"Steuerzahler darf mitblechen"

Für Boulevardmedien wird vor allem die Finanzierung des Kunstwerks zum Skandal: "Steuergeld für 'Sex-Kultur'!" betitelt etwa die Gratiszeitung "Heute" ihren Bericht über Büchels Kunstwerk. "Der Steuerzahler darf so SM-Praktiken samt 'Leder-Show' mitblechen", heißt es weiter. Die Tageszeitung "Österreich" nennt Umbau-Kosten von 90.000 Euro.

Die Ausstellung - wie auch die übrigen - sei nicht ausschließlich von Steuergeldern finanziert, entgegnet die Secessions-Sprecherin. Man wolle die Produktionskosten wie auch bei anderen Projekten wieder einspielen. Zudem gibt es für die Ausstattung des Clubs in der Secession zahlreiche Sponsoren. Die Secession finanziere sich zu zwei Dritteln selbst, sagt Schmitt-Ulms. Im Falle der Ausstellung von Büchel kommen die Einnahmen aus den Eintrittspreisen des "Vereins der kontaktfreudigen Nachtschwärmer" hinzu.

Kein Sex unterm Beethovenfries

Die Konzession bringe der Club selbst mit, zum Schutz des Beethovenfrieses ist der als Swingerclub gestaltete Raum mit dem wertvollen Kunstwerk in der Nacht geschlossen, so die Sprecherin. Eine im Nebenraum installierte Sauna diene lediglich der Vollständigkeit, in Betrieb gehe sie aus konservatorischen Gründen nicht. Umbau-Kosten von 90.000 Euro könnten laut Secession "so stimmen, aber es ist ja noch nicht alles fertig".

Die ausgelöste öffentliche Diskussion ist jedenfalls intendiert: Der Künstler, der in seinen Rauminstallationen und Projekten stets reale Gesellschaftszustände inszeniert und soziale Situationen in den Kunstraum transportiert, spielt auch auf die Raumvermietung von Kulturinstitutionen an. Und eben diese Vermietungskonstellation schlägt sich auch in der in den Medien kritisierten Finanzierung der Schau nieder, so Schmitt-Ulms.

Auch Klimts Fries war ein Skandal

Büchel spielt zudem auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, so die Pressesprecherin, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich.

Stenzel: "Swingerclub-Aktivitäten stoppen"

Dass der Swingerclub eine Genehmigung für den ersten Bezirk habe, dem widerspricht Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel: "Unter Vortäuschung falscher Tatsachen" habe man sich die Zustimmung des Bezirkes für das Projekt "erschlichen", heißt es aus dem Büro Stenzels. Es sei nie "von einer Gruppensex-Veranstaltung die Rede" gewesen, sondern lediglich von Stiptease im Rahmen der Kunstausstellung Büchels. "Aufgrund der groben Täuschung, die hier vorliegt, sollte der Verein die Subventionen zurückzahlen und die 'Swingerclub-Aktivitäten' gestoppt werden", so Stenzel.

Einen "Sittenverfall" unter dem "Missbrauch der 'Freiheit der Kunst'" wittert unterdessen die FPÖ. Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner fragt sich am Montag in einer Aussendung, ob "unsere Gesellschaft von allen guten Geisern (sic!) verlassen" sei. Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine Ausstellung von Otto Mühl in der Secession oder Ausstellungen mit "Leichenschändungen oder Kindesmissbrauch" in der Kunsthalle, die "den Trend der negativ Spirale (sic!) von Nihilismus und Perversion" verschärfen würden.

"Die Freiheitlichen werden derartige Skandale sicherlich nicht unterstützen", schließt sich der Kultursprecher FPÖ-Wien, Gerald Ebinger, der Kritik an. "Gangbang-Partys und Domina-Kammern haben mit Kunst und Kultur rein gar nichts zu tun und dürfen daher keinesfalls von öffentlichen Stellen unterstützt werden."

(APA/her)