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Türkei-Beitritt zur EU: Erdogan kritisiert Deutschland

EU-Beitritt: Erdogan kritisiert Berlin und Paris
(c) AP
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Die Türkei sei bereits "inoffiziell" in die Union integriert. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan versteht deshalb die ablehnende Haltung Deutschlands gegenüber dem EU-Beitritt nicht.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Haltung Deutschlands und Frankreichs im Streit um einen Beitritt seines Landes zur Europäischen Union kritisiert. "Was Frankreich und Deutschland mit uns machen, ist nicht korrekt. Mitten in der Partie ändern sie die Spielregeln", sagte er der Madrider Zeitung "El País" (Montag-Ausgabe). Den Regierungen in Paris und Berlin warf er vor, den EU-Beitritt der Türkei mit Bedingungen verhindern zu wollen, die nicht im EU-Regelwerk stünden.

Die Türkei werde der EU als Mitglied keine neuen Lasten aufbürden, sondern Lasten übernehmen, versicherte Erdogan und wies dabei erneut Vorschläge aus der Europäischen Union für eine Anbindung der Türkei an die EU ohne Vollmitgliedschaft als "inakzeptabel" zurück. Sein Land werde sich nicht mit einer "halben Mitgliedschaft" zufriedengeben, betonte Erdogan.

"Imageschaden für Deutschland und Frankreich"

Bei seinen Gesprächen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gebe es oft Übereinstimmungen. "Das ändert sich aber, wenn wir uns den Rücken zukehren", beklagte Erdogan, der am Montag einen Spanien-Besuch begann. Das positive Bild Deutschlands und Frankreichs in der türkischen Bevölkerung werde durch den Streit negativ. "Die EU hat keinem anderen Land so hohe Auflagen gemacht wie uns", ergänzte er.

Türkei "inoffiziell" integriert

Die Türkei sei mit ihren fünf Millionen in der EU lebenden Auswanderern bereits auf inoffizielle Weise in Europa integriert. Sein Land könne einen großen Beitrag für die EU leisten, weil es als einziger Staat in der Lage sei, eine Brücke zwischen der islamischen Welt und dem Westen zu bilden.

Erdogan äußerte sich zuversichtlich, dass es während der spanischen EU-Ratspräsidentschaft in dieser Frage Fortschritte geben könnte. Spanien macht sich für eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU stark. Deutschland und Frankreich befürworten dagegen lediglich eine "privilegierte Partnerschaft" der EU mit der Türkei.

Spanien macht sich für die Türkei stark

Bereits vor einigen Tagen erklärte Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos im Gespräch mit ausländischen Journalisten, dass der Beitritt der Türkei eine große Chance für die Europäische Union sei. Bisher habe sich jede EU-Erweiterung als positiv herausgestellt. Die spanische EU-Ratspräsidentschaft will bis Juni vier neue Verhandlungskapitel öffnen. Bisher sind von insgesamt 35 Verhandlungskapiteln zwölf eröffnet worden, und davon ist nur eines abgeschlossen. In Madrid warb Erdogan am Montag unterdessen für die Bereicherung, die sein Land auch als "Brücke zum Orient und zur islamischen Welt" für die EU darstellen könne.

Die seit dem Jahr 2005 laufenden Beitrittsverhandlungen mit Ankara sind zum Teil wegen der Weigerung der Türkei, ihre Häfen für das EU-Mitgliedsland Zypern zu öffnen, weitgehend blockiert. Spaniens Außenminister Moratinos zeigte sich optimistisch, dass Verhandlungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten über eine Lösung des Konflikts bis Juni gefunden werden kann.

(Ag./Red.)