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Alkoholverbot am Praterstern: Bezirksvorsteherin schlägt Alarm

„Alkoholkrankheit wird man mit einem Verbot nicht los“, sagt die Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt, die Grüne Uschi Lichtenegger.
„Alkoholkrankheit wird man mit einem Verbot nicht los“, sagt die Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt, die Grüne Uschi Lichtenegger.APA/HERBERT P. OCZERET
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Wenige Tage nach Inkrafttreten des Alkoholverbots zeigt sich: Alkoholkranke sind zum Teil in den Prater, konkret auf die Kaiserwiese und die Hauptallee, abgewandert.

Seit das Alkoholverbot am Praterstern am vergangenen Freitag in Kraft getreten ist, hat sich ein Teil der Alkoholikerszene im nahen Prater – besonders auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad – niedergelassen, auf der das Alkoholverbot nicht gilt.
Das bestätigt die Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt, Uschi Lichtenegger (Grüne): „Ein Teil der Alkoholkranken ist auf die Kaiserwiese übersiedelt, ich habe mich selbst davon überzeugt“, sagt Lichtenegger zur „Presse“. Auch auf der Prater-Hauptallee und in Wohngebieten hätten sich nun einige Alkoholkranke, die früher am Praterstern waren, niedergelassen. „Die Verdrängung vom Praterstern hat begonnen“, sagt Lichtenegger, „Alkoholkrankheit wird man aber mit einem Verbot nicht los.“

Dass sich seit Freitag Alkoholkranke und Obdachlose auf der Kaiserwiese aufhalten, „ist deutlich spürbar“, sagt auch Nicole Raker von der Bürgerinitiative „Kaiserwiese für alle“. Die Bürgerinitiative ist zwar gegen ein Alkoholverbot, „wenn es das aber schon gibt, dann müsste es auch auf der Kaiserwiese gelten“, sagt Raker. Dass dies nicht der Fall ist, hat aus ihrer Sicht kommerzielle Gründe: Immerhin finden hier Events wie die Wiener Wiesn statt, die mit Alkoholverbot kaum denkbar wären.

Die Presse Grafik

Dass die Szene vom Praterstern, wo es Sozialarbeiter, Polizei und Videoüberwachung gab, auf die Wiese verdrängt werde, „auf der Kinder spielen und Leute in der Sonne liegen“, ist für die Bürgerinitiative unverständlich. Auch Lichtenegger – die übrigens als Bezirksvorsteherin im Vorfeld nicht über die Maßnahme der Stadt informiert wurde – sieht das Alkoholverbot als „populistische Maßnahme: Es gab seit Monaten kaum Beschwerden dank des Einsatzes der Sozialarbeiter und vieler anderer Stellen. Alle haben wunderbar zusammengearbeitet.“ Nun seien die Alkoholkranken nicht mehr so leicht greifbar. Lichtenegger fordert „mehr Budget für Sozialarbeit und gesundheitliche Maßnahmen“.

Der Chef des Praterverbandes, Stefan Sittler-Koidl, sieht vorerst keine große Verlagerung. „Dass einige hinüberkommen würden, war uns bewusst. Fürs Erste ist das nicht problematisch.“ Denn, so der Praterverband-Chef:„Der Prater ist für alle da.“ Die Wiener Polizei will zur Verlagerung nichts sagen. Bilanz ziehe man erst einen Monat nach Einführung, heißt es.